III. Die heiligsten Namen Jesus und Maria sind für meinen Mund süßer als Honig, sie sind so süß für meinen Gaumen, dass ich mich häufiger dabei ertappe, wie ich mir die Lippen lecke. Selbst die einfachste Wahrnehmung, Erinnerung oder Aufmerksamkeit oder das innere Wiederholen dieser süßesten Namen sind wie zarte Flämmchen, die in mein Herz eindringen und es süß mit Liebe zu ihnen verletzen.
Dieser liebevolle Gottesdienst widme ich mich nicht aus eigener Anstrengung, noch mit irgend einer Vielgestaltigkeit des Geistes, sondern ich werde dazu von einem inneren Geist geführt und getrieben, ruhig und einfach in der Tiefe meines Herzens.
Ich werde innerlich gelehrt, wie ich diese frommen Äußerungen immer mehr und mehr zurückhaltend im Geist vollziehen kann, ohne irgendeine Mischung sinnlicher Kräfte, oder zumindest mit einer sehr geringen. Zum Beispiel geschieht die liebevolle Wendung des Herzens, das Ansprechen und die Ausdrücke der Liebe zu Jesus, Maria und Josef bereits mehr im Geist, viel erhabener, distanzierter und erhabener, nicht mit solcher Zärtlichkeit und sinnlichem Trost der Natur. Dies lerne ich immer mehr zu verlieren.
Ich schaue auf sie und erlebe ihre Gegenwart im Geist, in der Einheit der göttlichen Essenz, in die alle drei vollständig eingetaucht sind und mit der sie vollkommen verbunden sind. Ich richte ständig meinen Blick auf sie, und das hindert das unmittelbare Schauen auf die formlosen göttlichen Wesenheit nicht. Schließlich erscheinen sie meinem Geist als in sie getaucht, erfüllt und vollkommen bekleidet, sodass ich nicht auf sie schauen, noch mich mit Liebe zu ihnen wenden kann, ohne sofort und ohne Hindernis das höchste Gute zu sehen, sodass ich dieses höchste Gute nicht verlieren oder vergessen kann und von der göttlichen Essenz, dem Schauen auf sie und dem Erleben von ihr, befreit sein kann. Es liegt daran, dass ich in ihnen nichts anderes als Gott und das Göttliche sehe und liebe. So geschieht es, dass ihre Bilder oder Vorstellungen mir, wie es scheint, im Gott nicht schaden und mir die Einfachheit des Blickes nicht rauben. Ich erkenne bereits, wie die Seligen im Himmel einander im Gott sehen und lieben und zusammen Gott lieben, und das behindert das selige Schauen auf Gott, das ständige Empfangen Gottes und die Liebe zu ihm nicht.
Ich will hier etwas klarer erklären, wie ich dieses marianische Leben als doppeltes göttliches Leben verstehe und um einen Grad höher als das einfache göttliche Leben und die einfache Verbindung mit dem Göttlichen. Dies kann in seiner wesentlichen Herrlichkeit mit jener verglichen werden, die einige Selige mehr oder weniger zusammen mit der wesentlichen Herrlichkeit erfahren, die alle Seligen gemeinsam erleben.
Manchmal wird mir ein inneres Leben in Maria, Frieden in Maria, die Erfahrung von Maria, das Einswerden mit Maria oder das Eintauchen in Maria, die Verbindung mit Maria gewährt. Dies geschieht jedoch so: Während der Geist sich mit voller Einfachheit, Nacktheit und Ruhe der formlosen göttlichen Essenz zuwendet und in einem vertrauten Halten von ihr eingenommen wird, meine Seele sich dabei an Maria bindet, sie anschaut und mit ihr in der Weise erlebt, dass sie in Gott eins ist und mit Gott verbunden ist, so dass, wenn ich Gott erfahre, ich auch Maria erfahre, als ob sie nur eins mit Gott wäre und nicht von ihm zu unterscheiden, sodass es von Seiten der Seele so erscheint, als wären Gott und Maria nur eins, fast so, wie es bei der heiligen Menschheit Christi der Fall ist, die mit der Göttlichkeit so verbunden ist, dass zwei Naturen in einer Person vereint sind. Obwohl in Maria keine persönliche Verbindung mit der Göttlichkeit besteht, wie in Christus, sondern nur eine wesentliche und gnadenvolle, unendlich größer und vollkommener als bei irgendjemand anderem, auch den erhabensten Geschöpfen. Diese vollkommenste Verbindung Marias mit Gott wird zu jener Zeit von Gott der Seele so vorgestellt, dass Maria ihr als eins in Gott und mit Gott erscheint, ohne irgendein Mittel.
Manchmal scheint es mir, als würde ich Maria küssen, umarmen… mit einer wunderbaren Einheit der Seele mit ihr und zugleich mit Gott. Oft scheint es mir, als wäre ich in ihr reinster, liebevollster und innigster Herz aufgenommen und eingeschlossen, berauscht und verliebt in sie und gleichzeitig in Gott, und so zielt und fließt alles zu einem und in einen, und es ist so ein doppeltes und gleichzeitig einfaches göttliches Leben. Es ist eine sehr reine, erhabene, hohe und vollkommene Art der Liebe zur seligsten Jungfrau, auch wenn nur wenigen aus Erfahrung bekannt. Dieses marianische Leben in Maria und für Maria, und zugleich göttlich in Gott und für Gott, gehört nur ihren besonderen Geliebten, den teuersten Benjamin und Kindern, die sie selbst zu ihm ausgewählt hat.
IV. Das marianische Leben, oder das Leben in Maria, für Maria und mit Maria, hat seine Würde, Einzigartigkeit, Erhabenheit und Vollkommenheit aus der Verbindung Marias mit Gott und aus der Fülle und Teilhabe an göttlichen Gnaden und Vollkommenheiten, die ihr fast maßlos eingegossen werden, auf eine Weise, die jedes Ausdrucksvermögen und jedes Verständnis des menschlichen Verstandes übersteigt, beinahe unendlich über jedem Geschöpf. Daher ist die Betrachtung, Umarmung, Liebe zu ihr so verborgen, gekleidet, beschattet, erleuchtet und mit dem Göttlichen verbunden, so einzigartig und erhaben wie der unerschöpfliche Abgrund aller Güter.