Hinweise zur karmelitischen Regel (Teil 1)

Laut P. Keese Waaijman, O.Carm.

Der Text, den Sie gerade lesen, entstand auf folgende Weise: Schwester Petra aus dem Prager Karmel gab uns freundlicherweise ihre Notizen zu den Vorträgen von P. Keese Waaijman, O.Carm., die während der Formationswoche in Birkenwerder, Deutschland, vom 27. August bis 7. September 2002 gehalten wurden. Redigiert wurde er von P. Gorazd, O.Carm.
Alle Interessierten, die sich näher mit den Gedanken des holländischen Autors vertraut machen möchten, verweisen wir auf die deutsche Ausgabe seines Buches über die Regel.
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Die Regel des hl. Albert von Jerusalem, an die sich der Karmel seit seinem Anfang hält, ist im literarischen Sinne eigentlich ein Brief, nicht eine Regel. Das Wort Regel kommt im gesamten Text von Albert überhaupt nicht vor, Bischof Albert bezeichnet seinen Brief an die Brüder des Karmels mit den Worten formula vitae, also „Ordnung des Lebens“, eine Regel für das Leben. Im rechtlichen Sinne konnte der Text erst durch die endgültige Genehmigung des Papstes zu einer Regel werden. Die Karmeliten betrachteten ihre Regel tatsächlich zunächst als einen Brief, das ursprüngliche Exemplar ist nicht erhalten geblieben (was bedeuten könnte, dass sie es nicht besonders archivierten?).

Salutatio (Gruß oder Prolog)

Albert, durch Gottes Gnade zum Patriarchen der Jerusalemer Kirche berufen, an seine geliebten Söhne in Christus, B.2 und an die anderen Eremiten, die unter seiner Führung an der Quelle auf dem Berg Karmel wohnen: Grüße im Herrn und den Segen des Heiligen Geistes.

Jeder ordentliche Brief begann mit einer Einleitung, die aus drei Elementen bestand: Name des Absenders, Name des Empfängers, Segenswunsch. In einer hierarchisch geordneten Gesellschaft (wie es das Mittelalter war) wurde auf präzise Titulierung geachtet. Auch die Reihenfolge war wichtig: Der Name der höhergestellten Person wurde zuerst genannt (also: „Albert...“). Sogar der Segenswunsch musste dem Status des Absenders entsprechen.

Das Amt des Patriarchen gehörte zu den höchsten in der Kirche und Gesellschaft, während die Eremiten, an die hl. Albert schreibt, als Laien auf der untersten Stufe der hierarchischen und gesellschaftlichen Leiter standen. Wenn diese Brüder zuvor aus dem Adel stammten, bedeutete es, dass sie mit ihrem Eremitenleben einen großen sozialen Abstieg vollzogen; sie wählten absichtlich die niedrigste Stufe, das Bild der Letzten. Während Albert seinen Brief mit seinem eigenen Namen beginnt, bleiben die Adressaten anonym: „B. und die anderen Eremiten“, selbst deren Führer wird also nicht namentlich genannt. Dies spiegelt sich auch in der Komposition wider: Jerusalem versus das Gebirge Karmel. Jerusalem ist der Sitz des Patriarchen und der Könige, eine bedeutende Stadt, ein Zentrum des religiösen Lebens, während Karmel die Peripherie ist.

Zwischen Albert und den Eremiten gibt es eine Beziehung von Struktur und Antistruktur. Diese Begriffe übernahm K. Waaijman von Victor Turner. Während für diejenigen, die innerhalb der Gesellschaft dem Element Struktur angehören, festgelegte Rollen und Machtanteile charakteristisch sind, so sind für diejenigen, die die Antistruktur repräsentieren, die Merkmale Gemeinschaft und „Intimität“ (enge Verbundenheit, gerade im Zusammenhang damit, dass sie nichts sind). V. Turner nennt als Beispiele für Struktur und Antistruktur: die Könige und Priester des Alten Testaments und im Gegensatz dazu die Propheten, oder das antike Judentum und das Heidentum sowie das frühe Christentum.

Während das 13. Jahrhundert eine Zeit großer Krisen in der Kirche war, begann gleichzeitig die Bewegung der Erneuerung. Im Gegensatz zur Struktur des offiziellen religiösen Lebens tauchte in dieser Zeit eine Bewegung auf, die „die Armen Christi“ - die Franziskaner und Bettelorden genannt wird. Diese waren damals die Antistruktur. Diese Bewegung gipfelt in der „devotio moderna“. Gleichzeitig gewann auch die Bedeutung der Städte und Universitäten (starkes säkulares Bewegung) an Bedeutung, auch im kulturellen Bereich hin zu einer Abkehr von kirchlichen Strukturen (laische Opposition). Die Minnesängers repräsentieren ebenfalls einen Ausdruck der Antistruktur.

Beliebte Orte für jene, die in die Einsamkeit gehen wollten, waren Wälder, Inseln und Gebirge (deshalb entstanden auch nach der Vertreibung der Karmeliten aus dem Heiligen Land die ersten Karmelitenklöster auf Inseln, z. B. im Süden Englands).

Pilgerreise, die peregrinatio, stellte ein Zeichen neuer Spiritualität dar. Ein anderer wichtiger Begriff, dem wir in der damaligen Spiritualität begegnen, sind die Worte vita poenitentialis (bußfertiges Leben), und zwar als Ausdruck der Reue (nicht im Sinne von „ich habe etwas getan“, sondern „ich habe bisher nicht wirklich gelebt, ich habe mich auf einen Schein verlassen“) und Ausdruck der geistlichen Armut, die sich aller Pomp entziehen möchte. Während Armut und Betteln (minne) von der Struktur als sozial destruktiv und gefährlich angesehen wurden.

(Mit einem ähnlichen Verlauf begegnen wir in dieser Zeit auch in der jüdischen Mystik - Entwicklung der Kabbala, Anfänge des Chassidismus. Dieser Verlauf betrifft also nicht nur die Kirche, sondern stellt vielmehr ein kulturelles Phänomen dar.)

„Gruß im Herrn“ ist eine Formulierung, die einen Gruß seitens einer höhergestellten Person ausdrückt, nur der Papst konnte die Worte hinzufügen: „und apostolischen Segen“. Schreibt Albert: „Gruß im Herrn und den Segen des Heiligen Geistes,“ handelt er eigentlich anstelle der päpstlichen Autorität.

Exordium (Ausgang)

Das Exordium eines Standardbriefes sollte den Kern der Botschaft ankündigen (es wird oft mit dem Fundament eines Hauses verglichen), es ist der Ausgangspunkt für das, was im Brief weiter folgt. Das Exordium entwirft einen bestimmten allgemeinen Rahmen, innerhalb dessen sich die einzelnen Angelegenheiten befinden, über die es dann weiter gehen wird. Indem Albert zu Beginn seines Briefes die Eröffnungsworte des Hebräerbriefes anführt, verleiht er dem Exordium seines Briefes in der Tat einen monumentalen Charakter. (Es ist wichtig zu beachten, dass der Mensch jener Zeit stark „intertextuell“ wahrnahm, dass ihm an dieser Stelle die gesamte Theologie des Hebräerbriefes aufstieg.)

Viele Male und auf viele Arten
haben die heiligen Väter festgelegt,
wie derjenige, der in irgendeinem Lebenszustand lebt
oder irgendeine Lebensweise wählt, die Gott geweiht ist,
in Gehorsam gegenüber Jesus Christus leben
und ihm treu dienen soll
mit reinem Herzen und gutem Gewissen.

Das Exordium behandelt somit das, was für das geweihte Leben insgesamt allgemein ist, nicht typisch karmelitisch. Alle Formen des geweihten Lebens sind durch das gemeinsame Einmalige charakterisiert, „wie“ dieses Leben gestaltet ist. Dieses „wie“ lernen alle zu leben. Erstaunlich ist auch das Detail, dass im lateinischen Original an der Stelle, die ins Tschechische als „Lebenszustand“ übersetzt wird, das Wort ordo steht, das eine gesellschaftliche Gruppe, einen Stand, aber auch eine Regel, Ordnung bezeichnet. Darüber wurde bereits früher gesprochen (Karmel 2/2002, S. 11). Dieses „wie“ bedeutet tatsächlich ein geordnetes Ganzes an Mitteln, das im Kern auf ein einziges Ziel ausgerichtet ist. Dieses „wie“ haben die heiligen Väter auf viele Arten gelehrt. Es zeigt sich in der Vielfältigkeit.

Die heiligen Väter unterschieden drei grundlegende Formen des geistlichen Lebensstils:

  1. Cenobitischer Lebensstil: Cenobiten leben zusammen in Gemeinschaft und unterliegen der Leitung und Unterscheidung durch den Abt, den Greis. So charakterisiert es Johannes Cassian. Hier sind zwei Momente von wesentlicher Bedeutung: der Wille des Abtes, der den Mönch aus der Gefangenschaft seiner eigenen Selbstsucht befreit, und das gegenseitig getragene Anliegen um den Lebensunterhalt. „Sie verzichten auf die Möglichkeit, selbst über sich und das, was sie mit ihrem eigenen Schweiß erlangt haben, zu verfügen“ (Johannes Cassian).
  2. Anachoretischer Lebensstil: Eremiten entscheiden sich für das Versteck der Einsamkeit. In der Einsamkeit kämpfen sie gegen den Teufel: „Sie sehnen sich danach, sich im offenen, offensichtlichen Kampf mit den Dämonen zu messen und scheuen sich nicht, in die unfreundlichen Verstecke der Wüste einzudringen“ (Johannes Cassian).
  3. Hilfe für die Armen: Aufnahme von Fremden in Krankenhäusern, Pflege von Kranken, Lehre, Verteilung von Almosen, Einsatz für die Unglücklichen und Unterdrückten. Hier ist das Wesentliche die Begegnung mit dem Herrn in den Armen.

Mit den Worten: „Viele Male und auf viele Arten haben die heiligen Väter festgelegt, ...“ erinnert Albert also (neben der Lehre des Hebräerbriefes und des heiligen Paulus, dem der Hebräerbrief damals allgemein zugeschrieben wurde) an die gesamte Vielfältigkeit des geweihten Lebens. Alberts Interesse konzentriert sich jedoch auf das Fundament des Ordenslebens: „in Nachfolge Jesu Christi leben und ihm treu dienen mit reinem Herzen und gutem Gewissen“.

Albert äußert hier zwei Ziele, die für alle Formen des Gott geweihten Lebens gelten: Reinheit des Herzens und Kontemplation. Jede Form des geweihten Lebens hat zunächst ihren programmatischen Plan. Johannes Cassian nennt ihn „skopos“. Damit hängt alles zusammen, woran wir unsere Kräfte setzen können, worin wir uns üben können: Fasten, Wachen, das Lesen der Schrift, Meditation, Arbeit, Verweilen in der Einsamkeit, Entbehrungen. All dies hat ein arbeitsmäßiges Ziel, und das ist die Reinheit des Herzens. Alle diese Einzelheiten sind Mittel zu diesem Ziel. Und der Sinn der Reinheit des Herzens ist, uns für Gott empfänglich zu machen oder, wörtlicher gesagt: fähig zu machen, Gott zu empfangen. Schematisch lässt sich sagen: skopos = Askese. Johannes Cassian vergleicht das mit der Vorbereitung des Bodens für die Aussaat. Wie der Bauer Steine und Unkraut vom Feld entfernt, so müssen wir den Boden unseres Herzens von Lastern und Leidenschaften reinigen, damit wir die Aussaat göttlicher Tugenden und Betrachtungen empfangen können.

„Die unreine Seele kann kein geistliches Wissen empfangen. Denn niemand gießt kostbares Öl oder ausgewählten Honig oder kostbare Flüssigkeit in ein unreines oder zerbrochenes Gefäß. So ist es auch mit dem Gefäß unseres Inneren: Ist es nicht vorher von allen schmutzigen Flecken der Laster gereinigt, so verdient es es nicht, das Öl des Segens zu empfangen.“3

Kern der Reinheit des Herzens ist ein gutes Gewissen. Alles, was das Herz blockiert – bis in die tiefsten Tiefen des Gewissens – muss entfernt werden (Cassian sagt: bis zur Erinnerung an die Sünde). Daher zitiert Albert den Vers aus dem ersten Timotheusbrief, wo Reinheit des Herzens und gutes Gewissen zusammen erwähnt werden.

Das letzte Ziel, télos, auf das Alberts Worte abzielen, ist die Kontemplation (Vereinigung mit Gott, Erfahrung des Königtums Gottes). Im Text der Regel wird nicht direkt auf sie verwiesen, dennoch führt uns Albert ganz klar dazu. Er stützt sich dabei auf Zitate des heiligen Paulus und des Hebräerbriefes. Wichtige sind hier drei biblische Stellen und deren Bedeutung, die sie im Neuen Testament haben. Wenn wir uns den Hintergrund der genannten Zitate vergegenwärtigen (mit Kees' Worten: lesen wir sie intertextuell), ertönt hier dreifaches Anleiten zur Kontemplation: Gegenüber dem ersten Ziel unterscheidet Johannes Cassian noch ein zweites, endgültiges Ziel: télos. Das ist das ewige Leben, die Gnade, die Vereinigung mit dem unsichtbaren und unergründlichen Gott, das Reich Gottes. Also etwas, das wir nur empfangen können, nicht erreichen. Also télos = Mystik. Die frühe karmelitische Tradition kannte diese Lehre von den zwei Zielen, wir begegnen ihr im Werk „Das Buch der ersten Mönche“, das der Karmeliten Filip Ribot Ende des 14. Jahrhunderts verfasste:

Das Ziel dieses (d.h. der Ordens-) Lebens ist doppelt. Nämlich eines, das wir durch unser Bemühen und Übung in den Tugenden mit Gottes Gnade erreichen. Das bedeutet: Gott ein Herz heilig und rein von jeder Sünde anzubieten. Dieses Ziel erreichen wir, wenn wir vollkommen und verborgen bei Caritas sind, das heißt verborgen in jener Liebe (caritas), von der der Weisen sagte: „Die Liebe verdeckt alle Fehler.“ Gott, der wollte, dass Elias dieses Ziel erreichte, sagte: „Versteck dich am Bach Kerit.“ Das zweite Ziel des Ordenslebens wird uns als unverdientes Geschenk Gottes gegeben. Nämlich nicht nur nach dem Tod, sondern bereits in diesem sterblichen Leben irgendwie im Herzen zu erfahren und im Geist die Macht der göttlichen Gegenwart und die Süßigkeit der himmlischen Herrlichkeit. Das bedeutet dann, am Bach der göttlichen Wonne zu trinken. Dieses Ziel versprach Gott Elias, als er sagte: „Von dem Bach wirst du trinken.“ Durch das erste Ziel, nämlich durch die Reinheit des Herzens und durch die Vollkommenheit der Liebe, gelangt man zum zweiten Ziel, nämlich zur Erfahrung und Erkenntnis der göttlichen Macht und der himmlischen Herrlichkeit.

Das letzte Ziel, télos, auf das Alberts Worte abzielen, ist die Kontemplation (Vereinigung mit Gott, Erfahrung des Königtums Gottes). Im Text der Regel wird nicht direkt auf sie verwiesen, dennoch führt uns Albert ganz klar dazu. Er stützt sich dabei auf Zitate des heiligen Paulus und des Hebräerbriefes. Wichtige sind hier drei biblische Stellen und deren Bedeutung, die sie im Neuen Testament haben. Wenn wir uns den Hintergrund der genannten Zitate vergegenwärtigen (mit Kees' Worten: lesen wir sie intertextuell), ertönt hier dreifaches Anleiten zur Kontemplation:

  1. Der Vers Hebr 1,1 zeigt den unermesslichen Unterschied zwischen vielen Arten der Offenbarung Gottes im Alten Testament und der Offenbarung durch den Messias. Das ist das endgültige Ziel: Gott gibt sich allen ganz.
  2. Auch das Zitat aus 1 Tim 1,5 über die Reinheit des Herzens und das gute Gewissen zielt auf die Kontemplation. Paulus schreibt: „Das Ziel (télos!) dieser Anordnung ist die Liebe aus reinem Herzen, aus gutem Gewissen und echtem Glauben.“
    Liebe ist kein Arbeitsziel! Auf Grundlage eines reinen Herzens und eines guten Gewissens (= skopos) nehmen wir sie auf. Das ist das Ziel des Gott geweihten Lebens: Liebe zu empfangen, die Gott in uns wirkt, sie zu empfangen und zu kontemplieren. So ist die Liebe (télos) ein Prozess unserer Transfiguration.
  3. Albert hat das endgültige Ziel noch anders formuliert: „in Gehorsam gegenüber Jesus Christus leben und ihm treu dienen“. Auch diese Worte haben einen biblischen Hintergrund, und zwar insbesondere die Worte des hl. Paulus in 2 Kor 10,4–6:
    „Denn die Waffen, mit denen wir kämpfen, sind nicht nur menschlich, sondern wunderbar mächtig zum Niederreißen von Festungen: Wir zerbrechen Überlegungen und jede Anmaßung, die sich gegen die Lehre Gottes (offenbart) erhebt und bringen jeden Menschen, der richtig denkt, dazu, Christus zu gehorchen, und sind bereit, jede Ungehorsamkeit zu bestrafen, solange eure Gehorsamkeit nicht vollkommen ist.“

Hier erhellt sich bereits der Verweis auf den geistlichen Kampf. In diesem Moment sollten wir uns jedoch nur auf die Realität konzentrieren, dass wir nicht mit unseren eigenen Waffen kämpfen.

Das Denken, gegen das wir kämpfen, könnten wir „Logik der Welt“ nennen. Es geht um eine Haltung, in der wir selbst unseren Kurs bestimmen, uns selbst aufbauen, erweitern und erheben, uns selbst schützen... Wie kann ich in ein anderes Denken verwandelt werden, wie kann es geschehen, dass derjenige, der mich lenkt, Christus ist? Mein Selbstaufbau widersetzt sich „der Erkenntnis Gottes“; das heißt, damit Gott „mich erkennt“, was im Begriff télos enthalten ist. Meine eigene „Logik“ will nicht, dass ich das vergesse. Sie ist anti-Schweigen. Ich bin mein eigenes Reich, das Wachstum dieses Reiches und sein König... All das muss verlassen werden, entwaffnet werden, damit ich zum endgültigen Ziel, d.h. zur Erkenntnis Gottes gelangen kann; zur Freiheit von mir selbst. Alles das ist im Begriff télos verborgen.

Das Mittel zum endgültigen Ziel ist, fähig zu werden, die göttliche Liebe zu empfangen. „In Gehorsam gegenüber Jesus Christus.“ Gehorsam bedeutet hier: sich völlig dem anderen zu unterwerfen. Hierdurch wird das oben erwähnte Selbstaufbau und Selbstschutz, die Fokussierung auf sich selbst und die Ausdehnung des eigenen Ichs durchbrochen. Der andere spricht mich an, ich höre (das Verb hören hat denselben Wortstamm wie Gehorsam); also unterwerfe ich mich.

Dieser Gehorsam wird durch Alberts Worte „und ihm (Christus) treu dienen“ verstärkt. Das Verb servire wird hier durch das Präfix verstärkt: deservire. Es geht darum, ein Sklave zu werden und treu zu sein. Treue macht diese „Versklavung“ unumstößlich. All diese Worte - Gehorsam, Treue, dienen - deuten auf das Eine hin, nämlich: Geht es in unserem Leben vor allem um die Erkenntnis Gottes, muss das Zentrum allen Geschehens außerhalb menschlicher Handlung verschoben werden, über ihre Grenzen hinaus.
Dadurch öffnet sich die Perspektive der Mystik.

 


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