Der Herr Jesus lehrt uns zu beten.

P. Jerzy Zielinsky O.Carm.

Wenn es uns schwerfällt zu beten und wir das Beten lernen wollen, greifen wir am häufigsten zu verschiedenen mehr oder weniger weisen Büchern. Oft führt das jedoch dazu, dass wir in komplizierten Erklärungen verloren gehen oder beginnen, verschiedene seltsame Methoden anzuwenden, die uns dennoch nicht das Beten lehren. Wir vergessen nämlich, dass selbst die weisesten und inspirierten Bücher über das Beten ihre Weisheit aus der Quelle aller Weisheit schöpfen – aus der Lehre Jesu.

Wenn wir lernen wollen, gut zu beten, müssen wir uns zuerst im Evangelium Jesu unterweisen, auf diesen unerreichten Meister des Betens hören, bei dem alle großen Heiligen das Beten gelernt haben.

„Wenn du betest, geh in dein Zimmer, schließe die Tür hinter dir und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen bleibt; und dein Vater, der sieht, was verborgen ist, wird dir vergelten“ (Mt 6,6).

Wir können nicht mit Gott sprechen, wenn der Lärm der Straße unseren Geist betäubt, wenn er erfüllt ist von Dutzenden von Gesprächen, Angelegenheiten und Eindrücken aus den Schaufenstern der Geschäfte, an denen wir vorbeigehen. Die Stimme, mit der Gott zu uns spricht, ähnelt keiner der Stimmen, die täglich auf uns einwirken. Gott ist Geist und spricht mit uns auf geistige Weise. Wenn wir ihn hören wollen, mit ihm sprechen wollen, müssen wir uns zurückziehen. Wir müssen einen Ort finden, an dem die Ruhe von niemandem und nichts gestört wird. Nur in der Stille können wir seine Stimme hören. Jesus hat uns ein Beispiel gegeben. Die Evangelien erinnern oft daran, dass er sich an einen einsamen Ort oder auf einen Berg zurückzog, um zu beten. Es ist doch ganz natürlich. Wenn uns Gäste besuchen, beginnen wir nicht, Zeitungen zu lesen oder fernzusehen, sondern konzentrieren unsere Aufmerksamkeit auf sie und widmen uns ihnen.

Umso mehr müssen wir all unsere alltäglichen Angelegenheiten hinterlassen, wenn wir mit Gott sprechen wollen. Der Mensch aber muss sich nach einem solchen Gespräch sehnen. Er muss danach streben, in seinem Inneren ruhig zu werden, um Gott hören zu können. Für ein solches Gespräch muss er die passende Zeit und den passenden Ort suchen.

„Beim Beten redet nicht leer wie die Heiden; sie denken, dass sie aufgrund ihrer vielen Worte erhört werden. Seid nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, bevor ihr ihn bittet“ (Mt 6,7–8).

Sobald wir uns zum Gebet knieen, strömen sofort Worte aus unserem Mund wie aus einem Bach. Wir erzählen Gott von all unseren Angelegenheiten. Wir sagen ihm, was wir alles brauchen. Oft wollen wir klüger sein als er und überzeugen ihn, wie nötig es ist, dass er uns dies oder das gibt. Und dafür haben wir viele Argumente. Und während wir so reden, sind wir uns nicht bewusst, dass unser Gebet nicht mehr ein Gespräch mit Gott ist, dass es kein Dialog zwischen zwei Personen ist, sondern ein Monolog – eine Rede einer Person. Genau vor diesem Fehler warnt uns Jesus, wenn er von der Vielrederei der Heiden spricht. Gott hat auch viele Dinge, die er uns sagen möchte, aber wie kann er das tun, wenn wir ihn nicht zu Wort kommen lassen! In unserem Gebet gibt es zu viele Worte und sehr wenig Stille. Wir nutzen unseren Verstand und nicht unser Herz. Und er, zu dem Milliarden von Menschen unermesslichen Mengen von Worten zu ihm sprechen, möchte hören, mit welcher Liebe unser Herz schlägt. Er hindert uns nicht daran, uns mit unseren Sorgen an ihn zu wenden, aber er möchte, dass in jedem unseres Gebete auch Zeit für ihn ist, in der wir mehr mit dem Herzen als mit dem Mund sprechen und lernen, ihm zuzuhören. Wir müssen uns bewusst sein, dass Gott bereits weiß, mit was wir zu ihm kommen, bevor wir kneifen. Deshalb sollten wir nicht versuchen, ihn mit unseren Worten zu überzeugen. Er weiß besser als wir, was uns gut tun wird.

„Nicht jeder, der zu mir sagt: ‚Herr, Herr‘, wird in das Himmelreich eingehen; sondern wer den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist“ (Mt 7,21).

Wir können Stunden im Gebet verbringen, und dennoch wird es fruchtlos sein und keinen Nutzen bringen, wenn es nicht von der Verbesserung unseres Lebens begleitet wird. Jesus verlangt, dass das Gebet Nutzen bringt. Es kann nicht aus bloßen Worten bestehen. Ein Gebet, das uns nicht besser macht, kann uns die Hoffnung auf das Himmelreich und den Blick auf das Angesicht Gottes nehmen. Das Gebet wird Früchte bringen, wenn es von der Erfüllung des Willens des Vaters begleitet wird. Und das beinhaltet in erster Linie die Forderung nach Liebe zum Nächsten. Darüber hinaus muss es von der ehrlichen Erfüllung unserer Lebensaufgaben begleitet werden: elterlichen Pflichten, der zu erledigenden Arbeit oder des Studiums. Das Gebet soll ein Bitten um die Fähigkeit sein, unsere Pflichten zu erfüllen.

„Wenn du also dein Opfer zum Altar bringst und dort dich erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, lass dein Opfer vor dem Altar und geh zuerst dich mit deinem Bruder versöhnen“ (Mt 5,23–24).

Das ist noch ein sehr wichtiger Rat. Wir können nicht mit Gott sprechen, wenn wir in unserem Herzen Zorn oder Hass gegen einen anderen Menschen haben. Mit ihm kann nur der Mensch sprechen, dessen Herz rein ist. Jesus lehrte sein ganzes Leben lang, wie man vergibt. Petrus, der ihn danach fragte, befahl er, 77 mal zu vergeben, was im Verständnis der Juden unendliches Wiederholen bedeutete. Gott können wir keine Geschenke bringen, die mit Hass gegen irgendjemanden beschmutzt sind.

In den Evangelien finden wir viele solcher und ähnlicher Ratschläge von Jesus zum Thema Gebet. Jeder, der gut beten möchte, muss keinen Rat in anderen Büchern suchen. Das gesamte Evangelium Jesu und damit die Lehre über das Gebet kann sogar von einfachen Menschen verstanden werden. Jesus dankte dem Vater, dass gerade einfache Menschen die Geheimnisse des Reiches verstanden. Und um niemanden an dem Wert seines Rates zweifeln zu lassen, sagte er:

„So ist also jeder, der diese meine Worte hört und sie tut, einem klugen Mann gleich, der sein Haus auf den Felsen gebaut hat. Es fiel der Regen, die Fluten kamen, der Sturm erhob sich und stürzte sich auf jenes Haus; aber es fiel nicht, denn es hatte seine Grundlage auf dem Felsen“ (Mt 7,24–25).

Aus der polnischen Zeitschrift W cieniu Karmelu (Nr. 2/1995 S. 18–19)
Übersetzt von Růžena Kouřimová.

Zitate aus der Heiligen Schrift nach der ökumenischen Ausgabe der Bibel
(Zvon, Prag 1991).