Gebet zur Identifikation mit Jesus

Hl. Maria Magdalena de’ Pazzi

Als Maria Magdalena die Gnade erhielt, unsichtbare Stigmen in ihren Körper einzuprägen,1 sprach sie in Latein2 ein Gebet, durch das sie ihre Glieder in die Glieder Jesu und ihre geistigen Fähigkeiten in die geistigen Fähigkeiten Jesu einfügte. Nach dem Zeugnis der Schwestern, die dabei waren, verharrte Magdalena nach den Erwähnungen der einzelnen Glieder und geistigen Fähigkeiten jedes Mal längere Zeit in Stille und sprach dann langsam und ruhig einen weiteren Gedanken mit Pathos und so nachdrücklich aus, „dass es schien, als wäre sie in Jesu Schule.“ Die Schwestern bemerkten auch, dass, obwohl dieses ganze Ereignis fünf Stunden dauerte, sie den Eindruck hatten, es sei nur ein Augenblick gewesen, weil sie sich wie im Paradies fühlten.

„Meine Augen in die Augen deiner Barmherzigkeit…
Meine Ohren in deine Ohren, um der Stimme meines Bräutigams zuzuhören und sie zu verstehen…
Mein Mund in deinen Mund, damit mein Mund das spricht, was zu mir mein Bräutigam sagt.
Mein Brustkorb [sei] in deiner Brust, mein Geliebter; [was ist] der Brustkorb des Verstandes und der Weisheit, die den Geschöpfen unbegreiflich sind…
Meine Hände nicht deinen Händen, sondern in der Höhle meines Bräutigams, um an deinem Werk teilzuhaben…
Mein Bauch in deinem Bauch, damit es dem Werk der Anordnung, das die Liebe in der Weinkammer vollbringt, gegenwärtig und teilhaftig sei.
3
„Ganze mein Körper [sei] in jedem Glied der Substanz deiner Ewigkeit.“

Als sie das sagte, verharrte sie lange in Stille; dann sagte sie: „Es wäre nichts nützlich, dass ich meine Glieder in dich gelegt habe, wenn nicht das Innere da wäre. Deshalb [sei]:

Mein Gedächtnis im Gedächtnis der Güte deines Blutes, zur Erlösung aller Gläubigen…
Mein Verstand [sei] nicht im Verständnis deiner Gleichheit
4 sondern im Verständnis des Herabsteigens deines Wortes…
Mein Wille [sei] im Willen deines Wortes, damit mein Wille dem Willen deines Wortes ähnelt, der so sehr dem Willen deiner höchsten Vaters am ähnlich ist, wie [es ihm ähnelt] die Gleichheit der Ewigkeit deiner Trinität…

Oh, Gleichheit, …
Mein Verlangen möge dürsten und sich mit dem Heil der ganzen Menschheit sättigen…
Mein hitziger [Wille] möge sich gemäß den Bewegungen des Geistes deiner Güte bewegen. Möge er sich bewegen, [nur] wenn du ihm dazu vollen Segen gibst.
Mein Glaube möge in der Gewissheit ruhen, was du über dich selbst erkennst.
Meine Hoffnung sei gewiss und bestätige sich in der Ewigkeit…
[Meine] Liebe möge sich ausbreiten und Wohlgefallen an deiner Größe finden, denn du bist in allen. Möge sie sich ausbreiten und mich zu dir ziehen; ich spreche von mir selbst, denn alle sind in mir… und ich in allen.“

(Aus dem Italienischen übersetzt von P. Gorazd, O.Carm.)