„Er war ein Wahnsinniger“…

Thérèse von Lisieux – aus einem Brief an Céline vom 19. August 1894

Es ist gut, für jemanden zu leiden, der uns bis zur Verrücktheit liebt, und in den Augen der Welt dafür als verrückt zu gelten. Die Menschen beurteilen andere nach sich selbst, und weil die Welt töricht ist, halten sie uns von Natur aus für töricht!...

Aber schließlich sind wir nicht die Ersten. Der einzige Vorwurf, den Herodes Jesus machte, war, dass er ein Verrückter sei, und ich denke das auch… Ja, es war Schwachsinn, Herzen von armen, kleinen, sterblichen Menschen zu suchen, um sich darin einen Thron zu errichten. Er, der König der Herrlichkeit, der auf den Cherubim thront… Er, dessen Himmel nicht fassen können… Er war verrückt, unser heißgeliebter Herr, denn er kam auf die Erde, um aus den Sündern seine Freunde, seine Vertrauten, Gleichgestaltige zu machen, er, der mit den beiden anbetungswürdigen Personen der Heiligsten Dreifaltigkeit vollkommen selig war! … Wir könnten niemals die Torheiten für ihn vollbringen, zu denen er sich für uns entschlossen hat, und unsere Taten verdienen überhaupt nicht diesen Namen, da sie viel zu vernünftig sind und weit unter dem liegen, was unsere Liebe verwirklichen möchte. Die Welt ist also töricht, denn sie weiß nicht, was Jesus getan hat, um sie zu retten. Die Welt möchte alles auf sich ziehen, verführt die Menschen und führt sie zu Brunnen, die kein Wasser haben…

Übersetzt von Sr. Thérèse Brichtová O. P.
Aus der Zeitschrift „Karmelimpuls“ 1/1993 S. 4.