Wir sind von Gott aus Liebe und mit Liebe erschaffen und müssen auf diesem Weg zu Ihm zurückkehren
Das innere Leben versteht Maria Magdalena de’ Pazzi – im Einklang mit der Tradition des Karmel – als ein Leben des Gebets und der Selbstverleugnung. Es handelt sich um eine ständige bewusste innige Verbindung mit Gott in dem Bestreben, alle Hindernisse zu beseitigen und in der Reinheit und Unversehrtheit des Herzens nach dem Vorbild der Jungfrau Maria zu leben.
Zu einer solchen Verbindung mit Gott führt die Liebe, deren Eigenschaft es ist, den Liebenden mit dem Geliebten zu verbinden: „Wir sind von Gott aus Liebe und mit Liebe erschaffen und auf diesem Weg müssen wir zu Ihm zurückkehren.“
Praktisch bedeutet das für uns: „Solange wir dieses armselige Leben leben und auf dem Weg zum himmlischen Glück sind, müssen wir unsere Seele durch ständiges Nachsinnen und Anschauen zu Gott erheben, in dem der Verstand erhellt und der Wille durch die göttliche Liebe voll entfacht wird, die die Seele erfrischt und sie aus der Hitze der Sinnlichkeit herausholt und sie auf dem Weg der Vollkommenheit erheben lässt, und ihr jede Bitterkeit, die sie aus Liebe zu ihrem liebenden gekreuzigten Bräutigam Christus erfahren muss, süß und angenehm macht.“ Wir sollen einen „einfachen und bescheidenen Lebensstil in der Ernährung und Kleiderordnung“ pflegen, aber gleichzeitig mehr auf „innere Vollkommenheit als auf äußere Bußwerke“ achten. Auf den „Berg der Vollkommenheit“ steigt man durch „Entblößung des Geistes“ und „Selbstverleugnung“ (1), „Nächte der Qual, Prüfungen und Verfolgungen“.
Nach dem Vorbild der Jungfrau Maria versteht Maria Magdalena de’ Pazzi das Ziel des mystischen Lebens als die Verbindung der biblischen Maria und Marta (2). „Maria im Himmel erfüllt die Aufgabe der Magdalena (3) und der Marta: der Magdalena, die sich in Gott freut, und der Marta, die für uns Fürsprache hält. So lehrt sie als gütige Mutter ihre Kinder, dass sie, während sie im Geist im Himmel verweilen, die Taten auf Erden nicht nachlässig vollziehen, besonders wenn es um das kleinste Hilfsangebot für die Nächsten geht. Oh Magdalena, oh Marta! Was wäre Magdalena ohne Marta? Man würde sie als faul betrachten! Und Marta ohne Magdalena? Das wäre Chaos!“ Um die Verbindung von Liebe zu Gott und Nächsten zu verdeutlichen, verwendet Maria Magdalena de’ Pazzi folgende Vergleich: „Der Kuss geben beide Lippen gemeinsam, einer allein kann ihn nicht geben. Liebt die Seele nur Gott, reicht das nicht, wenn diese Liebe nicht mit der Liebe zum Nächsten verbunden ist.“
(1) Im Sinne der Selbstverleugnung und des Verlusts des eigenen Lebens, wie Jesus es erklärt – z.B. Mt 10,39;
(2) Lk 10,38–42;
(3) Die Maria von Bethanien, die Schwester von Marta und Lazarus, wird nach dem damaligen Verständnis mit Maria von Magdala identifiziert, weshalb sie als Magdalena bezeichnet wird.
(Nach dem Maschinenschrift von P. Metoděj Minařík, O.Carm.: Die Heiligen des Karmel; redaktionell bearbeitet)