Du bist einfach unsere Mutter!
Mit dem Geheimnis des fleischgewordenen Wortes und der Kirche ist Maria eng verbunden, „sie ist das Tor, durch das Gott auf die Erde herabgestiegen ist und durch das wir in das himmlische Vaterland eingeführt werden“. Sie ist die Schönste unter all den Geschöpfen, die aus der Hand Gottes hervorgegangen sind, und die Würdigste aufgrund der einzigartigen Beziehung zur Fleischwerdung des ewigen Wortes, sie ist das wichtigste Mitglied der Kirche.
Magdalena sieht in Ekstase, wie Maria auf der Brust vier goldene Tafeln hat, auf denen steht: „Amen, Halleluja“ (vgl. Offb 19,4). Sie erkennt ihre Beziehung zu den göttlichen Personen der Heiligen Dreifaltigkeit und welchen Platz Maria in den göttlichen Geheimnissen einnimmt. Marias Größe sieht sie aus dreifacher Sicht:
a) Ihre persönliche Heiligkeit. „Der Herr gab mir so große Erkenntnis über die Erhabenheit, Würde und Größe der Jungfrau Maria! Mir schien, es gebe nichts im Himmel oder auf der Erde, sei es Mond, Sterne, Sonne oder Engel, das sich mit ihrer Größe und Würde vergleichen könnte, außer Gott selbst, dem diese Jungfrau in allem ähnlich erschien, bis auf den Punkt, dass sie ein Geschöpf und er der Schöpfer ist.“
Durch ihre Demut und Reinheit bewirkte sie, dass „der Thron der Heiligen Dreifaltigkeit sich neigte“ und die ewige Weisheit von ihr Fleisch annahm. In der Gemeinschaft mit Jesus reifte sie in der Tugend. Alles tat sie, geleitet vom Heiligen Geist, „der ihr in jedem Moment neue Gaben und Gnaden einflößte“.
b) Die Mutter Gottes und Mit- Erlöserin. In ihrer Unversehrtheit „gebärte Maria durch Gnade den, den der Vater von Ewigkeit zeugte und mit der Natur zeugt“. Sie war mit ihrem Sohn in allen Werken der Erlösung verbunden, insbesondere indem sie ihn bis zu seinem Tod in seinem Leiden begleitete. Maria, die eine Liebe hatte, die nur mit „dem Maß der Liebe des Wortes“ gemessen werden kann, erlebte in ihrem Inneren jeden Moment seiner Passion. Sie litt auf doppelte Weise: Zum einen, weil sie als Mutter sah, wie ihr Sohn litt und starb, und zum anderen nahm sie aus Liebe zu den Menschen an seinem Leiden teil. Maria war mit ihrem Sohn nicht nur in seinem Leiden, sondern auch in seiner Verherrlichung verbunden. Auch sie wurde auferweckt und in den Himmel aufgenommen und stand zu seiner Rechten. Dort tritt sie für uns ein. In der Ekstase sieht Magdalena sie und sagt:
„Wie rein und schön bist du, Maria! Mit deinem Blick ergreifst du das Wort, erfreust die Engel, ermutigst die Sünder, stärkst die Pilger. Mit deinem Blick bewirkst du, dass der Sohn des Höchsten zum Niedrigsten und Geringschätzigsten aller Geschöpfe wird... In der Schönheit deiner Augen hat der Himmel gefallen, zu dir neigte sich der Thron der Heiligen Dreifaltigkeit.“
c) Die Mutter der Gnade und die Mutter der Kirche. „Seht, was der Engel zu ihr gesagt hat? Was bedeutet es, dass sie die Mutter Gottes wurde? Es bedeutet nichts anderes, als dass sie an Gott Anteil hat und mit ihm teilt, dass sie mit Gott zusammenwirkt, wenn er uns Gnaden erteilt. Du, Freude des Himmels, unser Schutz, Stärke der Schwachen! Du bist einfach unsere Mutter.“
Magdalena bezeichnet Maria als: „Mutter“, „Königin der Liebe“, „unsere Mutter“, „Mutter voller Gnade und Mutter der Sünder“, „Vermittlerin der Wiedererschaffung, die das Wort vollbracht hat“...
(Nach dem Typoskript von P. Metoděj Minařík, OCarm.: Die Heiligen des Karmels; redaktionell bearbeitet)