A. Sagardoy, OCD
Liebe Schwester Prudenzia!
Erinnern Sie sich noch an Ihre Zeit im Noviziat, an die Gebetsstunden, die Ihnen viel zu kurz schienen, und an die Zeiten, in denen Sie Ihre Frömmigkeit so deutlich spürten? Damals wären Sie nie auf den Gedanken gekommen, dass jemand eines Tages Probleme mit der Meditation haben könnte.
Heute fragen Sie sich jedoch, ob es überhaupt Sinn macht, täglich eine halbe Stunde zu meditieren… denn Sie schreiben, nach einer Minute sind meine Gedanken vollkommen fort!
Ich habe häufiger von diesem Problem gehört, das vielen zum Verhängnis wurde. Woher kommen diese Schwierigkeiten mit der Meditation? Je mehr Gespräche ich mit Ordensschwestern führe, desto deutlicher sehe ich, dass einige eine zu einseitige Lehre über die Meditation erhalten haben.
Meditation, liebe Schwester, so wie sie in den Klosterstrukturen verankert ist, ist eine Form des Gebets, die in Stille und Kontemplation stattfindet. Viele Menschen kommen mit dem Mechanismus der Meditation sehr gut zurecht und können diese halbe Stunde konzentriert bleiben, während andere sich sehr schnell ablenken lassen.
Ich hoffe, ich bin mit meiner Erklärung nicht zu theoretisch, es ist jedoch gut, einige Punkte festzustellen:
Meditation als Form des Gebets ist keine Übung in Konzentration, sondern eher ein Weg – in einer Atmosphäre der Stille und des Nachdenkens – um Gott zu begegnen.
Meditation als Form des Gebets, wiederhole ich, damit Sie es nicht falsch verstehen, wurde uns aus der Perspektive des diskursiven Denkens erklärt. Erinnern Sie sich noch an die Punkte der Meditation, die wir erhalten haben, um dieses Geheimnis zu erfassen und eine halbe Stunde zu meditieren?
Hier könnte der Kern Ihres Problems liegen: Nicht die Meditation als Gebet passt zu Ihnen, sondern der Mechanismus der Meditation, die diskursive Methode. Es gibt Menschen, die von ihrer Natur her eher diskursiv veranlagt sind, und es gibt Menschen, die eher undiskursiv veranlagt sind.
Erlauben Sie mir die Frage, verstehen Sie, was diskursiv bedeutet? Das Wort stammt aus dem Lateinischen und bedeutet sich auseinander zu bewegen, sich aus einem gemeinsamen Punkt zu entwickeln.
Darf ich Ihnen einen einfachen Hinweis geben, wie man erkennt, welche Begabung wir erhalten haben?
Ein diskursiv veranlagter Mensch verwendet in seinen Überlegungen während der Meditation Fragen: wer, wie, was, warum, wozu… und hat damit einen erleichterten Zugang zu meditativen Gebet. Der undiskursiv veranlagte hingegen ist nach wenigen Minuten am Ende seiner Überlegungen und bleibt stehen, ohne zu wissen, was er in der verbleibenden Zeit der Meditation tun kann.
Kommen Ihnen die zweite Variante bekannt vor? Dann dürfen Sie annehmen, dass Sie eher zu den undiskursiv veranlagten Menschen gehören, und diese Menschen benötigen einen anderen Mechanismus, der ihnen während der Meditationszeit eine Unterstützung zum intensiven Begegnung mit Gott bietet. Während ich das schreibe, denke ich, dass Sie vielleicht das Wort Meditation missverstehen. Ich meine die Methode, die wir als Unterstützung und Hilfsmittel verwenden.
Kommen wir nun zu Ihrer Situation. Für Menschen, die sich während der Meditation nicht so konzentrieren können, d.h. für diejenigen, die mit der diskursiven Methode nichts anfangen können, haben wir ein wunderbares Vorbild bei Teresa von Avila. Erschrecken Sie nicht, wenn ich Ihnen jetzt sage, dass die große Mystikerin Teresa von Avila große Schwierigkeiten mit der diskursiven Methode hatte. Wenn Sie daran zweifeln, lesen Sie ihre Autobiografie! An einigen Tagen wünschte sie sich sehnlichst, dass die Zeit der Meditation endlich vorbei sein möge… Ich hoffe, Sie haben sich jetzt nicht im Gesicht gerötet und sagen leise, dass Sie ebenfalls nervös alle drei Minuten auf die Uhr schauen, ob die Zeit schon um ist!
Wenn Sie Teresa ähnlich sind – und ich meine das jetzt positiv – fragen wir uns, wie Teresa in die Meditation einstieg: Denn das Gebet in Teresas Sprache ist ein freundliches Treffen, suchte sie Möglichkeiten, um mit dem Herren in Kontakt zu treten. An manchen Tagen half ihr die Natur oder Wasser, um Kontakt mit dem Herren aufzunehmen; sehr oft nahm sie ein religiöses Buch zur Hand und las darin.
Ich habe den Eindruck, dass Sie ein visueller Typ sind. Darf ich Sie ermutigen? Auch ein Bild, ein Foto kann uns bei der Meditation eine Stütze sein. Teresa erzählt auch von anderen Möglichkeiten, z.B. vom langsamen, fast wiederkäuenden Rezitieren eines bekannten Gebets oder von der Erinnerung an den vergangenen Tag. Wie Sie sehen, handelt es sich um kleine Hilfsmittel, mit denen wir uns je nach unserem aktuellen Zustand beschäftigen können, um in Kontakt und Begegnung mit Gott zu treten. Ich kann mir vorstellen, dass Sie es eine Zeit lang versuchen könnten. Wenn Sie es eine Zeitlang tun, liebe Schwester, und es Ihnen gelingt, mehr Konzentration und mehr religiöse Übungen zu erreichen, dann…, ja, dann lade ich Sie ein, den Satz der heiligen Teresa in Betracht zu ziehen: Das Gebet besteht nicht im vielen Nachdenken, sondern im vielen Lieben!
Methoden, Übungen und Überlegungen vor oder während der Meditationszeit sind Hilfsmittel, um Gott unsere Hingabe und Bereitschaft zu zeigen. Weder derjenige, der die Konzentrationsübung perfekt durchführt, noch derjenige, der während der Meditation erhabene Überlegungen anstellt, betet dadurch schon perfekt, sondern wer mit Überlegung, Konzentration, Stille oder anderen Schritten zu dem gelangt, sich von Gott lieben zu lassen und Gott seine Liebe zu zeigen, der geht voran. Vielleicht gelingt es Ihnen, liebe Schwester, die Meditation, die in Ihrem Kloster vorgeschrieben ist, mit anderen Augen zu sehen. Wir haben die Möglichkeit, uns mit Gott zu treffen wie Du und Du, in einer Atmosphäre der Stille, befreit von Aktivität und Geschäftigkeit.
Mit freundlichen Grüßen P. Antonio Sagardoy
Nach: Antonio Sagardoy, OCD: Wer kann meditieren?
Christliche Innerlichkeit, 26, S. 302–305, 1991
Übersetzt von Dr. Vojtěch Pola