Vier Schlüsselbegriffe für weiteres Wachstum (Teil 3)

P. Fernando Millán Romeral, O.Carm., Generaloberster

3) Gemeinschaft

In einer so individualistischen Gesellschaft wie unserer gehört zu den Elementen, die die Menschen, die unser Leben beobachten, am meisten ansprechen, die Tatsache, dass Personen unterschiedlichen Ursprungs, Alters, Denkens etc. zusammen leben können. Das Leben in Gemeinschaft ist eine der Grundvoraussetzungen des Ordenslebens und des Lebens im Karmel. In den letzten Jahren wurde der biblische Hintergrund unserer Regel stark betont und der Einfluss der Urgemeinde in Jerusalem (wie sie in der Apostelgeschichte beschrieben wird) auf ihren geistlichen Aufbau beleuchtet. Diese ist das Vorbild für jede christliche Gemeinschaft und besonders für die karmelitanische Gemeinschaft. Je mehr wir dieser Gemeinschaft ähnlicher werden, die alles miteinander geteilt hat, die in Freude – agallíasis bedeutet: Jubel, Fröhlichkeit, große Freude – und Einfachheit das Brot brach und im Gebet verharrte, desto mehr werden wir die Sendung des Ordenslebens entwickeln, ein Abbild zu sein: ein Zeichen, ein Zeugnis, ein Ausdruck oder ein Abbild des Lebens der Heiligen Dreifaltigkeit, der Gemeinschaft der Liebe, jener koinonía, die ein Lebensstil sein soll, der dem Christen eigen ist.

Mit kraftvollen Worten drücken unsere Statuten von 1995 (Art. 29 und 30) dies sehr gut aus:

Die Heilige Dreifaltigkeit, Urquell und Vorbild der Kirche, ist auch Quelle und Vorbild unserer Gemeinschaft. Die trinitarische Gemeinschaft (koinonia) des Wissens und der Liebe, an der wir teilhaben, wird uns als Geschenk gegeben und motiviert uns, uns für das Wissen und die Liebe zu Gott und den Nächsten zu öffnen. (...) Nach dem Vorbild der frühchristlichen Gemeinschaft in Jerusalem ist die brüderliche Gemeinschaft die Verkörperung der uneigennützigen göttlichen Liebe, die innerlich in einem ständigen Prozess der Entledigung von Egoismus – auch auf der Ebene der Gemeinschaft – empfangen wird und den wahren Fokus auf Gott hat. So können wir die charismatische und prophetische Natur des geweihten Lebens im Karmel zeigen und harmonisch die Personalisation der Charismen jedes Einzelnen für den Dienst an der Kirche und der Welt integrieren.

Dieser gemeinschaftlich orientierte Lebensstil, dieses communio, ist in gewisser Weise ein Zeichen, das „gegen den Strom“ in einer Kultur geht, die zu Individualismus, persönlicher Befriedigung, Privatheit und Egoismus anregt. Auch wir müssen, obwohl wir in Gemeinschaft leben, darauf achten, dass sich solch eine Mentalität nicht in unsere Häuser und in unsere Herzen schleicht. Es geht nicht nur darum, „gemeinsam“ bei vielen Aktivitäten und in zusammen verbrachter Zeit zu leben, sondern auch darum, wirklich als Gemeinschaft zu leben, also in Einstimmigkeit und wahrer Brüderlichkeit.

Das Leben in Gemeinschaft, also Wechselseitigkeit (communio), bedeutet keineswegs Druck zur Uniformität. Wir sind verschieden, denken und fühlen unterschiedlich, wir sind unterschiedlich veranlagt und geneigt, unterschiedlichen Alters und gehören verschiedenen Generationen an. Manchmal sprechen wir unterschiedliche Sprachen und kommen aus sehr unterschiedlichen Kulturen, und doch sind wir berufen, wirklich eine brüderliche Gemeinschaft zu bilden. Es wäre im wahrsten Sinne des Wortes ein Skandal, wenn zwei Karmeliten aus ideologischen, rassischen, geschweige denn aus religiösen Gründen nicht unter einem Dach leben könnten. Verschiedenheit, gegenseitiger Respekt, die Annahme des anderen in seiner Andersartigkeit – all das bereichert uns unglaublich, hält uns offen, flexibel, formbar und jung... Eine Person, die sich in ihre eigene Denkweise zurückzieht, die andere Weisen, das karmelitanische Charisma zu leben, verachtet und in anderen nichts Gutes sieht, zieht sich zurück, verarmt und radikalisiert sich (immer mehr) in ihrer Abgeschlossenheit.

Diese tiefe Einheit in der Verschiedenheit zeigt sich und wirkt beim Feiern der Eucharistie. Wahre Gemeinschaft durchbricht alle Barrieren, beseitigt Groll und schafft eine Gemeinschaft des Lebens, die aus dem österlichen Geheimnis hervorgeht. Darin liegt der provokante Charakter der Eucharistiefeier. Wenn die gemeinsame Eucharistie ehrwürdig und demütig gefeiert wird, nicht zur bloßen Gewohnheit oder pastoralen Aktivität wird, führt sie uns unweigerlich zu einem Lebensstil, in dem wir mehr gemeinsam haben und tiefere Gemeinschaft erleben.


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