P. Emanuele Boaga, O.Carm.
In diesem kurzen Text möchten wir auf die gegenseitigen Beziehungen des heiligen Karl Borromäus, dessen Fest am 4. November gefeiert wird, zum Karmel hinweisen.
Titularkardinal und Kardinalprotektor
Hl. Karl wurde am 31. Januar 1560 von Papst Pius IV. (seinem Onkel mütterlicherseits) zum Kardinal mit dem Titel des Diakons der römischen Kirche der Heiligen Vita und Modestus ernannt.1 Am 4. Juni desselben Jahres erhielt er (anstatt dessen) den Titel des Kardinals – Prästers bei der römischen Basilika San Martino ai Monti, also bei der Kirche der Karmeliten.2 Hier belegt seine Großzügigkeit noch heute ein deutlich sichtbares Zeichen – die vergoldete Decke des Hauptschiffs. Aufgrund seiner Verehrung für die Säule, an der der Herr Jesus angeblich gegeißelt wurde, die in der nahe gelegenen Basilika der heiligen Praxedis verehrt wird, übertrug der heilige Karl am 18. November 1564 seinen Kardinaltitel auf diese Kirche.
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| Porträt des hl. Karl Borromäus, gedruckt in einem Buch aus dem Jahr 1762 in der historischen Bibliothek des Klosters in Kostelní Vydří |
Er blieb weiterhin mit den Karmeliten verbunden als Protektor des Ordens.3 Dieses Amt bekleidete er – vom 5. Mai 1563 – fast zehn Jahre lang, bis er es am 5. Februar 1573 aus gesundheitlichen Gründen abgeben musste.
Engere freundschaftliche Beziehungen pflegte er mit dem Generaloberen der Karmeliten Giovanni Battista Rossi (oder Rubeo), der aus Ravenna stammte und mehr für den gegenseitigen Respekt bekannt war, der ihn mit der hl. Teresa von Avila verband. Kardinal Karl Borromäus war persönlich an der Ausarbeitung päpstlicher Dokumente beteiligt, mit denen P. Rossi zum apostolischen Kommissar für den gesamten Orden (1562)4 ernannt und wurde dann mit der Umsetzung der tridentinischen Reform im Orden beauftragt, die von der im Jahr 1564 stattfindenden Generalkapitulation gefordert wurde. P. Rossi hegte tiefe Dankbarkeit gegenüber Karl Borromäus. Das erklärt, warum er nach dem Tod des titulierten Kardinals der Karmeliten, Giacomo du Puy, den Papst bat, genau diesen hl. Karl in dieses Amt zu berufen.
Außergewöhnliche Zuneigung
Einen Tag nach seiner Wahl zum Generaloberen, am Sonntag, dem 21. Mai 1564, am Fest der Herabkunft des Heiligen Geistes, begab sich P. Rossi mit einem Prozessionszug von Ordensleuten, um dem Papst die Ehre zu erweisen. Bei dieser Gelegenheit ließ der heilige Karl in der Vatikanischen Basilika das „Tuch der hl. Veronica“ ausstellen, damit es verehrt werden konnte. Während der am Nachmittag folgenden Audienz vertraute der Papst die Anliegen der Karmeliten in die Obhut von Kardinal Karl Borromäus, der ebenfalls an der Audienz anwesend war.
Auf seiner Reise nach Mailand besuchte P. Rossi noch im selben Jahr am 4. November 1564 Kardinal Karl Borromäus. In den folgenden Tagen nahm er an Bußprozessionen teil, die der Heilige anführte. Dieser lud ihn am Samstag, dem 9. November, zu einem Mittagessen ein, an dem auch Herzog Gabriele d’Albuquerque, der Statthalter des spanischen Königs und der Herrscher von Mailand, teilnahm. Der Sekretär von P. Rossi betont dabei den besonderen Respekt, die Freundlichkeit und Herzlichkeit, die sowohl der heilige Karl als auch der Herzog dem Generalprior der Karmeliten entgegenbrachten. Dieser nutzte die Gelegenheit, um dem Kardinalprotektor neben anderen Dokumenten „vor allem das Dekret mit den Statuten der Karmelitenbruderschaft“ zu übergeben. Diese letzten Worte führten einige Autoren zur Annahme, dass der heilige Karl den (karmelitischen) Skapulier angenommen habe, was jedoch nicht bestätigt werden kann.
In der Ambrosianischen Bibliothek in Mailand wird die Korrespondenz von P. Rossi mit Karl Borromäus aufbewahrt. Im Kloster der Karmeliterinnen in Careggi bei Florenz wird noch heute das Originalmanuskript der Statuten dieses Klosters, revidiert und im Jahr 1564 in Rom genehmigt, mit der eigenen Unterschrift des Heiligen bewahrt. Der Kardinalprotektor „mochte besonders“ die karmelitische Kirche in Mailand; er besuchte auch Kirchen in der nahegelegenen Karnata, in Cremona (1575) und in Luino (1574), wo er die Überreste des Gründers ehrte, nämlich Jacopino Eleuterio Beltrame, einen karmelitischen Laienheiligen.
Dankbarkeit und Erinnerung
Karl Borromäus wurde im Jahr 1610 heiliggesprochen. Während der Generalkapitulation des karmelitischen Ordens im Jahr 1613 wurde der Antrag gestellt, sein Fest in den liturgischen Kalender der Karmeliten aufzunehmen. Im Jahr 1614 wurde dem heiligen Karl in der römischen Basilika San Martino ai Monti ein Altar (bis 1693 in seiner heutigen Form umgestaltet) errichtet, mit einem Bild von Filippe Gherardi.
Dieses Beispiel wurde im gesamten Orden nachgeahmt. In einer weiteren römischen karmelitischen Kirche, Santa Maria in Traspontina, wurde 1626 ein Altar zu Ehren des hl. Karl mit einem Bild von Giulio Cesare Procaccini (heute in der Nationalgalerie in Dublin) errichtet, das 1673 durch ein Bild von Carlo Maratta ersetzt wurde (das sich jetzt im Kloster befindet).5 Aus denselben Jahren stammen Altar in Carmine Maggiore in Neapel, in Venedig, in Mailand. Diese Verehrung breitete sich auf beispielhafte und charakteristische Weise in Belgien aus, wo jeder karmelitische Kirchen einen Altar und eine Bruderschaft zu Ehren des heiligen Karl hatte: so geschah es 1636 in Brüssel, 1646 in Gent und Valenciennes, 1647 in Brügge und Ypres, 1648 in Antwerpen und 1657 in Mechelen. Seit 1615 wählten sich die reformierten Karmeliten in Frankreich den heiligen Karl zusammen mit dem heiligen Josef zum Patron.
Nicht ohne Grund sagte ein Autor des späten 17. Jahrhunderts, als er über hl. Karl Borromäus schrieb: „Die Karmeliten ... erwiesen sich als die Verbreiter seines Ruhmes.“
Abschließend möchten wir daran erinnern, dass in die Reihe der Kardinäle – Nachfolger von heiligem Karl auf dem milanesischen Erzbischofsstuhl und seinen Nachfolgern im Titel der römischen Basilika San Martino ai Monti auch die Päpste Pius XI. und Paul VI. sowie der selige Kardinal Alfréd Ildefons Schuster gehören. Dieser ließ 1937 in Mailand die Pfarrkirche der heiligen Silvester und Martin errichten, um eine sichtbare Erinnerung an den römischen Kardinaltitel der Nachfolger des heiligen Karl zu schaffen.6
Aus dem Italienischen übersetzt von Vlaďka Marie Polišenská,
Anmerkungen ergänzt von P. Gorazd, O.Carm.
