„Novicmistrová“ se do němčiny překládá jako „Novicenmeisterin“.

In der vorletzten Ausgabe von „Karmel“ 1/93 haben wir versprochen, dass wir auch den Zusatz über die Novizenmeisterin aus dem Buch „Spiritueller Realismus von Theresia von Lisieux“ übersetzen. Darin geht es um die Ausbildung der Novizinnen, aber der Abschnitt kann auch Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder sowie anderen Lehrern und Erziehern von Nutzen sein.
Viele Leser würden sicherlich gerne wissen, welche Aufgabe die Novizenmeisterin hat, um zu verstehen, welche Rolle Theresia bei den Novizinnen hatte. Gleichzeitig werden sie erkennen, wie vollkommen die Heilige diese Aufgabe erfüllt hat.

 

In Frankreich nennt man die Novizinnen gewöhnlich die Ordensschwester, die mit ihrer Formation betraut ist, „Mćre Maitresse“, d.h. Mutterschwester. Dieser Titel gebührt ihr wirklich, denn sie ist in der Tat die Lehrerin und Mutter ihrer Seelen.

Die Mutter gibt das Leben weiter. Die Lehrerin unterrichtet in der Lehre. Im geistlichen Orden sind Leben und Lehre ohnehin ganz nah beieinander. Zum übernatürlichen Leben gehört der Glaube. „Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben“ (Joh 3,36). Und da Glauben bedeutet, die Lehre Jesu anzunehmen, ist das Geschenk des Lebens eng mit der Lehre der göttlichen Botschaft verbunden: Wir leben, weil wir glauben; wir glauben, weil wir gehört haben.

Jeder Christ im Stand der Gnade ist, indem er das göttliche Leben lebt und seine Gebete sowie sein Beispiel eine stille Predigt sind, dem Vaterschaft Gottes zugeordnet. Er trägt zur Geburt von Seelen zum geistlichen Leben bei, entsprechend dem Maß seiner Verbindung mit Gott. Das gilt auch für die Novizenmeisterin. Ihre geistliche Mutterschaft würde jede Wirksamkeit verlieren, wenn sie nicht in persönlicher Heiligkeit verwurzelt wäre. Die Novizenmeisterin kann nur aus der Fülle des Lebens geben, das aus ihrer Seele strömt.

Das Wissen an sich ist nicht fruchtbar, nur die Liebe verleiht Fruchtbarkeit. Wenn die Novizenmeisterin wirklich mit Gott verbunden ist, wird ihre Lehre, durch Liebe durchdrungen, Wahrhaftigkeit und Leben sein. Sie wird ein einfaches Werkzeug sein, das alle Kraft aus der Liebe schöpft; ihr Wort wird die Seelen mit Gott in Berührung bringen.

Die Novizenmeisterin hat nicht die Aufgabe, den jungen Schwestern eine abstrakte Wissenschaft über Gott und göttliche Dinge zu präsentieren, sondern ein lebendiges Zeugnis einer liebenden Seele, das das Ergebnis einer langen und innigen Vertrautheit mit dem Geliebten ist, von dem sie spricht. Die Novizinnen, die dieses Zeugnis empfangen, sollten erkennen, dass die Novizenmeisterin ihnen ihre eigene Erfahrung aus der Freude und Gewissheit ihrer Seele mitteilt, das gesamte Wissen, das durch Gnade, Licht und Liebe gewonnen wurde, die aus den Tiefen ihres Wesens strömen, in dem Gott wohnt.

In den jungen Novizinnen, die nach direktem Zeugnis gieren und bereit sind, sich vor lebendem Zeugnis zu demütigen, wird aus diesem Kontakt eine glühende Sehnsucht entstehen, auch in sich die Tiefen zu sehen, die sie vielleicht in der Seele spüren, die sich so für sie öffnet.

Doch die persönliche Heiligkeit der Novizenmeisterin, so vollkommen sie auch sein mag, allein genügt nicht für die Annahme dieser Aufgabe. Es ist etwas Ähnliches wie das Priestertum: „Niemand kann sich diese Würde selbst anlegen, sondern muss von Gott berufen werden“ (Heb 5,4). Ohne den göttlichen Ruf, der sich in der Wahl der Vorgesetzten zeigt, würde selbst die Heilige nicht befugt sein, im Namen Christi zu den Novizinnen zu sprechen.

Darüber hinaus sind für die Erfüllung einer solchen Aufgabe gewisse angeborene Eigenschaften nötig, die Gott gibt, wem er will: Gleichgewicht, gesunder Menschenverstand, Intuition, Gaben des Herzens, Leichtigkeit im Umgang mit Menschen und etwas, das schwer zu definieren ist, was anzieht und Vertrauen erweckt.

Zu diesen natürlichen Talenten muss die Novizenmeisterin versuchen, das Wissen der Heiligen Schrift, der Kirchenväter und der Autoren ihres Ordens hinzuzufügen. Sie sollte danach streben, eine solide geistliche und theologische Ausbildung zu erlangen, Kenntnisse der Psychologie, die ihr helfen, in die Mentalität ihrer Novizinnen einzudringen, den tiefen Sinn der Welt, in der sie lebten, und das Umfeld, das sie prägte, zu erkennen und schließlich reiche Erfahrung zu erwerben, auf welche Weise sie sie vorbereiten kann.

Die Ausbildung der jungen Menschen ist heute noch herausfordernder als früher. Die Novizenmeisterin muss daher die Quellen gründlich studieren und sie an die heutige Zeit anpassen. Nur dann wird der Noviziat sein Ziel erreichen, für das er eingerichtet wurde.

Zweck des Noviziats

Der Kodex des kanonischen Rechts bezeichnet das doppelte Ziel des Noviziats. Diese Prüfungszeit soll es ermöglichen zu bewerten, ob die aufgenommenen Personen tatsächlich im physischen, moralischen und geistlichen Bereich geeignet sind, den Lebensstil zu führen, der dem Institut eigen ist, für das sie sich entscheiden. Sie wurde auch eingerichtet, damit sich die Novizinnen allmählich an das gemeinsame Leben gewöhnen und in das geistliche Leben gebildet werden, wie es im Institut verstanden und praktiziert wird.

Die Berufungserkennung und deren Ausbildung sind so wichtige Aufgaben für die Zukunft des Ordens, dass alles im Noviziat so organisiert sein muss, dass ihre Erfüllung erleichtert wird. Den Novizinnen müssen Bedingungen gegeben werden, damit sie zunächst mit Christus in Berührung kommen, dem sie sich anvertrauen möchten, und dann, damit sie das Leben erkennen, in dem sie, so glauben sie, ihm dienen sollen.

Stille und Einsamkeit, tiefes Gebet, Umgang mit dem Evangelium, Atmosphäre des Friedens, die es den Seelen ermöglicht, Gott zu suchen, in seiner geliebten Gegenwart zu leben, sich von seinem Geist verwandeln zu lassen, sind im Noviziat Lebensbedingungen, die gegenüber allen anderen Priorität haben müssen und die um jeden Preis aufrechterhalten werden müssen. Aber das wäre nicht genug. Es ist auch notwendig, den jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, mit dem Lebensstil des Instituts vertraut zu werden und seinen Geist zu verinnerlichen. Den Novizenmeisterinnen obliegt es, sie auf der Grundlage von Quellen lebendig und klar über die Herkunft des Ordens, seine Heiligen und seine Traditionen, seine Merkmale und seinen Auftrag in der Kirche zu informieren. Sie sollten sie auf die Freuden und Leiden hinweisen, auf die besonderen Versuchungen in ihrer Berufung, und sie sollten sie zumindest gelegentlich, wenn die Zeit der Bildung es zulässt, in Lebenssituationen bringen, die denjenigen nahekommen, in die sie später geraten werden.

Methoden der Ausbildung

Für die Erziehung der jungen Schwestern und für die Wahl der Methoden sind die Oberin und die Novizenmeisterin verantwortlich.

(Anm.: Unter den verschiedenen Methoden gibt es einige, die veraltet sind und die unbedingt ausgeschlossen werden müssen. Das sollte die Novizenmeisterin in Übereinstimmung mit ihren Vorgesetzten und unter Berücksichtigung des Entwicklungsstands ihrer Novizinnen unterscheiden. Im Allgemeinen erscheinen einige früher verwendete Praktiken zur Anregung der Eifrigkeiten der Novizinnen heute als kindisch. Es ist besser, auf die Liebe zu Gott und für die Seelen zu bauen.)

Die jungen Menschen lieben es, „sich ohne zu rechnen zu geben“. Das ist eine kostbare Absicht, es ist gut, sie zu ermutigen, aber sie muss geleitet werden. Sie schätzen das ehrliche Geschenk der Wahrheit, alles, was wirklich aus dem Herzen kommt. Die Novizenmeisterin muss deshalb darauf achten, dass sie nichts Künstliches oder Gewöhnliches einführt. Das Einhalten der Regel, der Statuten und der nötigen Gewohnheiten reicht aus, um die Spontaneität der Novizinnen zu bewahren, ihren Willen zu formen und die gemeinsame Disziplin zu gewährleisten. Es ist nicht notwendig, sie mit unnötigen Vorschriften zu belasten, die jede Initiative behindern würden: Der wahre Weg, sie zu lieben, besteht darin, „ihre“ zu sein. Die Novizinnen müssen spüren, dass die Novizenmeisterin ihnen vollkommen gewidmet ist. Sie werden es spüren, wenn sie bei der Ausübung ihres Amtes nicht auf ihre Popularität bedacht ist und sich nicht scheut, sich, wenn die Umstände es erlauben, nach ihrer Sichtweise zu richten.

Sie sollte daher nicht betonen, was sie von den Novizinnen trennt, sondern eher gewinnen, indem sie zeigt, was sie mit ihnen verbindet. Ihr Einfluss auf sie wird sich dann erheblich ausdehnen, unter der Bedingung, dass diese Einheit keine aufgesetzte Haltung ist, sondern tief in ihrem Herzen verwurzelt ist. Indem sie allen zu allem wird, verzichtet sie nicht auf etwas von ihrem Amt, sondern wird es vielmehr besser ausüben. Ihre Selbstlosigkeit bedeutet nicht, die Novizinnen sich selbst zu überlassen.

Die Novizenmeisterin soll ihnen Elan verleihen, sie für die Wege Gottes begeistern, und das ohne irgendwelche Floskeln, durch einfache und konkrete Lehre, die jedoch sehr übernatürlich ist. Die Jungen verlangen nach dem Wesentlichen. Die Novizenmeisterin sollte stets mit Gott verbunden sein, dann kann sie ihnen vom einzigen Notwendigen sprechen. Anstatt auf ungewohnte, von außen kommende tugendhafte „Manieren“ zu bestehen, sollte sie eher versuchen, die Seelen in die Tiefe zu führen, sie dazu zu bringen, innerlich ergriffen zu werden und so aus eigener Initiative unaufhörlich der Stimme Gottes zu folgen.

Darüber hinaus hat sie die Aufgabe, den Novizinnen den Gemeinschaftsgeist zu vermitteln. Das ist in dieser Zeit umso einfacher, da dieser Geist dem wirklichen Bedürfnis junger Menschen entspricht, die nicht nebeneinander leben möchten, sondern sich verbinden und gemeinsam gehen wollen. Sie wird der sichtbare Mittelpunkt, das Bindeglied ihrer kleinen Gemeinschaft sein. Sie muss die Einheit von Geist und Herz verwirklichen, eine lebendige Atmosphäre schaffen, die von Liebe zu Gott und brüderlicher Liebe erfüllt ist, die sich gegenseitig über unvermeidliche, aber wertvolle Unterschiede liebt.

Sicherlich wird am Ende der Jahre der Ausbildung nicht alles in den Seelen vollendet sein. Aber wenn die Novizenmeisterin in Liebe und Glauben gesät hat, werden andere später ernten, denn Gott wird das Wachsen nicht versäumen.

(Zusatz zum Buch „Spiritueller Realismus von Theresia von Lisieux“,
das im Karmelitanischen Verlag 1992 erschienen ist)

Übersetzt von P. Metoděj Minařík.