Ich werde mich nicht mehr um meine Unruhe kümmern.

Herr, so oft gebe ich dir das,
was ich habe genug.
Lass mich dir nun alles anbieten,
was ich nicht habe,
was mir bisher verweigert blieb,
wonach ich sehnte in der Vorahnung,
dass es unerreichbar ist:
Ruhe, Erholung, Sicherheit.

Wenn ich also jetzt weiß, dass dies dir gehören wird,
dass es bei dir gut verwahrt bleibt
und es dein Eigentum wird,
werde ich mich nicht mehr nach diesen Dingen drängen.
Ich werde mich nicht mehr um meine Unruhe kümmern,
die sich sinnlos zurückmeldet.
In dir ist Ruhe, du hast sie empfangen, auch von mir.
Du kannst sie unversehrt neu verteilen.
In dir ist Sicherheit
– wer sollte sie sonst haben? –,
du kannst sie verschenken.

Gelobt seist du, denn in dir finden wir das, was wir suchen,
und das, was wir dachten,
dass wir es dir freiwillig übergeben,
war schon von Anfang an in dir.
Und doch danken wir dir, dass du es von uns annimmst.
Herr, du sollst nicht nur nehmen, was wir nicht haben:
behalte es.

Die Grundlagen kann nur der Herr legen.
Uns überlässt er vielleicht das,
um ein paar Ähren aus seinem ersten Saatgut zu sammeln.
Was wir ihm anbieten, ist das,
was schon lange zuvor sein war.

Das lebendige Feuer hört nicht auf zu brennen,
bis es alles verschlungen und in Asche verwandelt hat.
Aber für Asche interessiert sich niemand.
Sie kann sich über die Erde verstreuen, lebenlos,
verborgen, so wie sie ist, unfruchtbar.
Doch sie kann noch ohne Rest zertrampelt werden,
um einem Zweck zu dienen, von dem sie überhaupt nichts weiß.

Herr, verwandle uns in Asche
und zerstreue uns nach deinem Willen.
Wenn ich dir vielleicht noch sage, was ich will,
hör nicht darauf.
Ich glaube, und das gegen alle Anzeichen,
dass ich immer noch dein bin,
und kenne keinen Willen außer deinem.
Amen.

(Adrienne von Speyr /1902–1967/,
Bei Gott und bei den Menschen. Gebete.
Übersetzung Robert Svatoň)