Durch die Geburt des Sohnes gelangt die Mutter nicht ans Ende ihrer Fruchtbarkeit. Im Gegenteil, gerade dadurch erwirbt sie die Fähigkeit, jeden Christen zu gebären, der Glied Christi ist. Die leibliche Mutterschaft verleiht ihr unbeschränkte geistliche Mutterschaft. Überall dort, wo sich der Mensch ihrem Sohn nähert, wo jemand wirklich sucht – sei es Glauben, Bekehrung, Berufung –, bahnt sie auf ihre weibliche Weise den Weg. Sie tut dies auf die fast unmerkliche Weise, die ihr eigen ist und die doch die mächtigste ist. Sie schafft eine Verbindung zwischen dem Sünder und ihrem Sohn. Sie stellt sich nicht zwischen sie wie jemand Drittes, der auf irgendeine Weise den Blick auf den Sohn verstellen könnte. Vielmehr räumt sie alles aus dem Weg, was diesen Blick behindern könnte.
(Adrienne von Speyr /1902–1967/, Dienerin des Herrn)