Brüderchen, denk über die Poesie nach, die große profane Poesie. Wo ist die Quelle ihrer Inspiration, worin besteht ihr Wesen? Darin, dass der Künstler schöne Dinge heraufbeschwört, die geschehen sind und deren Schönheit die Zeit weggetragen hat. In solcher Poesie ertönt immer ein gewisses Bedauern. Und gerade das macht sie pathetisch. Wir, die wir versuchen, gläubige Menschen und Männer des Gebets zu sein, empfinden eine andere Poesie und sollten sie ausdrücken. Wir sehen schöne Dinge, deren Schönheit nicht vergeht und deren wir in immer größerem Maße zuteilwerden. Solche Poesie wird nicht durch pathetisches Bedauern geschaffen, sondern durch Hoffnung oder Dankbarkeit.
(Pater Jeroným /1907–1985/, Mönch des trappistischen Klosters in Sept-Fons,
Korrespondenz)