Wo unglückliche Menschen für ihr Wesen geliebt werden, ist Gott gegenwärtig.

Die Liebe zum Nächsten ist die Liebe, die von Gott zum Menschen herabsteigt. Sie geht der Liebe voraus, die vom Menschen zu Gott aufsteigt. Gott eilt, um zu den Unglücklichen herabzusteigen. Sobald irgendeine Seele damit einverstanden ist, mag es die letzte, elendeste, hässlichste Seele sein, Gott eilt, um in sie herabzusteigen, damit er durch sie den Unglücklichen zuhören und auf sie schauen kann. Mit der Zeit wird sich diese Seele seiner Präsenz bewusst. Aber selbst wenn sie ihn nicht benennen kann, wo immer die unglücklichen Menschen um ihrer selbst willen geliebt werden, ist Gott gegenwärtig.

(Simone Weil /1909–1943/, Attente de Dieu)