Abneigung gegen das Schreiben
Es gibt Zeiten, in denen die göttliche Berührung »nicht kommt«, in denen sich der Mensch verlassen fühlt und innerlich wie leer und gleichzeitig, als wäre ihm die Kehle zugeschnürt. Das spirituelle Leben ist für viele Menschen – und auch für Maria Petyt – keine ausgewogene, angenehm temperierte Kommunikation mit jemandem, den wir schon gut kennen und »durchschaut haben«. Es ist nicht möglich, dass der Mensch immer mit Gott und Gott mit ihm harmonisch und ausgewogen ist. So etwas finden wir nicht einmal unter Menschen, die miteinander leben.
Meistens verstehen wir selbst nicht, warum das Treffen mit einem anderen Menschen manchmal fast wie von selbst gelingt und manchmal dafür viel Mühe kostet. Auch wenn wir versuchen, sehr überlegt und bewusst zu leben, verstehen wir nur einen kleinen Prozentsatz dessen, was in unseren Beziehungen geschieht. Maria hat die schmerzhafte Erfahrung gemacht, dass sie in der Beziehung zu Gott mit Willenskraft nicht zurückgewinnen kann, was sie so schmerzlich vermisst. Ohne dass Maria und Michael (1) genau wussten, was hier geschieht und warum sich diese Abneigung gegen das Schreiben einstellt, hat Maria dennoch diese Zeiten der Dunkelheit leichter überstanden, als sie ihren geistlichen Leiter darüber informierte:
Dann vergingen wieder mehrere Tage, in denen ich nichts schreiben konnte, da der bereits erwähnte Kampf und Widerstand zurückkehrte, sodass ich nicht mehr ich selbst war. Als ich jedoch versuchte, mich gewaltsam dazu zu zwingen, war ich noch verwirrter und mein Verstand wurde noch dunkler. Ich kann den Zustand meiner Seele nicht erklären.
Aber jetzt erwacht in mir wieder langsam die süße Neigung zum Schreiben. Außerdem spüre ich innerlich ein wenig Licht, das mich an einige Dinge erinnert und teilweise auch den Verstand erhellt, damit ich verstehen und nachvollziehen kann. Diese Strahlen sind jedoch sehr schwach und zeigen die Wahrheit nur aus der Ferne, oft sogar hinter Wolken verborgen, die – so scheint es – vorbeiziehen.
(1) Michael von St. Augustinus, ihr geistlicher Leiter.
Entnommen aus dem Buch: Grundkurs Spiritualität des Karmel
Herausgeber: Michael Plattig und Elisabeth Hense, 2006
Übersetzt und bearbeitet von: Norbert Žuška, OCarm.