Die Vorsehung bietet mir die Mittel zur Rettung unter allen Umständen an.

Im gesamten 19. Jahrhundert litten die Litauer und Polen unter der russischen Herrschaft. Beide Völker wurden systematisch dezimiert und rusifiziert, was zu wiederholten, blutig niedergeschlagenen Aufständen führte. Für die Organisation eines anti-russischen Aufstands im Jahr 1863 wurde der polnische Adelige Josef Kalinowski, später der Karmelit v. Rafael, zu zehn Jahren Zwangsarbeit in einer Strafkolonie in Sibirien verurteilt.

Allein der Weg zum Strafort – von der Heimatstadt Wilna zu den Salinen in Usolje – dauerte für die Verurteilten zehn Monate. Überwiegend zu Fuß, im Schnee und bei Frost mussten sie tausende Kilometer zurücklegen. Das dortige Straflager hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine hundertjährige Geschichte – die ersten Sträflinge kamen 1765 nach Usolje, sowohl unliebsame Russen als auch Angehörige unterdrückter Völker wurden zu Fronarbeit in den Salinen verurteilt; nach dem Zweiten Weltkrieg war hier eines der Gulags. Die Temperaturen im Winter erreichen leicht -40 °C (die durchschnittliche Januartemperatur beträgt -23 °C). Heute sind die größten Bedrohungen verlassene und verfallene Chemiewerke, das größte Hoffnung ein neu gegründetes Kloster der Karmelitinnen - die Schwestern feierten im Oktober dieses Jahres 20 Jahre ihres Wirkens an dem Ort des Leidens des hl. Rafael.

Bitte legen Sie beim nächsten Mal etwas Kleines in den Brief, irgendetwas – ein Bild, ein Medaille, ein Blümchen, eine Prise Erde … einen Schluck der Heimatluft, wenn das möglich wäre. Einfach etwas Unbedeutendes von Ihnen… In einem Anfall von Spiritualität wollte ich mich nicht auf etwas Vergängliches konzentrieren und habe mich von vielen Dingen getrennt, die ich als Andenken hatte; die Motivation war zwar gut und ich bereue es nicht, aber jetzt sehe ich, dass auch die Sinne durch etwas genährt werden müssen, um den Geist zu erfrischen und das Herz zu wärmen. Und wenn man ihnen so unschuldig hilft, schadet das nicht und stärkt die geistliche Seite.
Jetzt nehme ich das Leben so, wie es ist, und ich bin mir sicher, dass die Mittel zur Rettung mir die Vorsehung unter allen Umständen bietet. Ich halte mich tapfer, schließlich habe ich das Bild des Erlösers immer vor meinen Augen. Vielleicht empört Sie mein grobes Polnisch, aber ich habe hier keine Möglichkeit, es zu verfeinern.

(Josef Kalinowski /1835–1907/, Brief aus dem Zwangsarbeitslager in Usolje, Sibirien, Januar 1867)