Für die Hoffnung des festen Glaubens

Für die Hoffnung festen Glaubens,
die vom Himmel herabsteigt,
erscheint die Müdigkeit von
schweren Prüfungen plötzlich leichter.

Dennoch der ständige Wunsch,
so nah wie möglich zu kommen
zum Bräutigam, in dem Freude ist,
begleitet diesen Gefühl mit Trauer.

Darum seufzen, beten,
bitten und Ängste,
mit warmen Tränen, klagend
wendet man sich nur zu ihm,

um ihn möglichst bald
mit seiner Gemeinschaft zu beschenken.
Möge diese Freude, sagen die einen,
in unserem Leben ein Ziel finden.

Andere sagen: Sende, Herr,
den, den Du versprochen hast.
Spalte den Himmel, bitten andere,
damit wir Dich schauen dürfen,

wenn Du zu uns herabsteigst,
um unser Weinen zu stillen.
Gib den Himmelstau der Erde,
denn die Erde sehnt sich zu trinken.

Möge uns die offene Erde
statt dornenreicher Büsche
schöne Blumen der Schönheit geben
und selbst in ihnen ruhen.

Glücklich wird der, sagen die anderen,
dem gegeben ist, zur Zeit zu leben,
wenn auch der allmächtige Gott
mit seinem Blick betrachtet werden kann,

ihn mit eigener Hand berühren,
auf allen Wegen mit ihm gehen,
sich an seinen Geheimnissen erfreuen,
die der Welt Reichtum sind.

(Johannes vom Kreuz, Fünfte Romanze, Übersetzung Gustav Francl)