Über die christliche Gemeinschaft

Hans Buob

Die menschliche Gemeinschaft beruht auf Sympathie. Fehlt die Sympathie, verschwindet auch die Gemeinschaft. Demgegenüber basiert die geistliche Gemeinschaft auf einer Berufung durch die Kraft des Geistes. Das ist das Einzigartige an der Ordensgemeinschaft in der Geschichte der Menschheit, dass sich hier Menschen treffen, die sich gegenseitig nicht gewählt und nicht gesucht haben; im Noviziat erkennt man dann die Menschen, mit denen man sein ganzes Leben lang gemeinsam gehen will.

In der Geschichte der Menschheit gibt es etwas Einzigartiges: Menschen, die sich nicht gegenseitig wählen konnten, die nicht aufgrund von Sympathien zusammengekommen sind, können ihr ganzes Leben lang zusammen leben.

Das ist nur aufgrund der Gemeinschaft möglich, die der Heilige Geist schafft. Daher werde ich mir auch immer wieder klar bewusst: Dort, wo wir untereinander Reibungen haben, ist gerade der Segen Gottes in seiner Tiefe spürbar und wirksam. Denn dort, wo wir streiten, nähern wir uns nicht allzu sehr an, und der Geist Gottes hat die Möglichkeit, uns auf viel tiefere Weise zu verbinden, nicht weil wir sympathisch sind, sondern wegen des Herrn. Und das ist die Gemeinschaft, die durch den Geist geformt wird.

Gerade unsere Grenzen sind eine große Hilfe, damit wir in einer Gemeinschaft uns nicht zu nahe kommen und so nicht zu einer rein menschlichen Gemeinschaft werden, die sich bald trennen könnte, sondern dass wir ständig sterben, kämpfen und dadurch dem Geist Gottes die Möglichkeit geben, in unser Sterben neues Leben zu bringen, das er trägt, das allein wirklich trägt, und das uns gegenseitig zu einer viel sympathischeren geistlichen Sympathie macht als nur einer äußerlichen Sympathie, die uns nur fesseln und binden würde.

Deshalb darf, wer in Gemeinschaft lebt – und das ist doch die Mehrheit – vom Ehepaar bis zu den geistlichen Gemeinschaften, niemals vergessen, dass die Grenzen des anderen ein großes Geschenk sind. Und kommt es zum Konflikt, habt ihr die Möglichkeit, euch auf tiefere Weise wieder zu begegnen – in größerer Hingabe, wegen des Herrn. So entsteht eine viel tiefere und dauerhafte Beziehung als durch rein menschliche Sympathie.

(Aus dem Buch Geschenk der Geisterunterscheidung,
übersetzt von Alžběta Sirovátková)