Mein Leben ist zu einem ununterbrochenen Gespräch mit dir geworden.

Du hast mich so reich gemacht, mein Gott, lass mich auch alles mit vollen Händen verteilen. Mein Leben ist zu einem ununterbrochenen Gespräch mit dir geworden, mein Gott, einem großen Dialog. Wenn ich stehe – in der Ecke des Lagers – mit den Füßen fest im Boden verwurzelt und den Augen zum Himmel gerichtet, dann laufen mir manchmal Tränen über das Gesicht, geboren aus innerer Erregung und Dankbarkeit. Auch abends, wenn ich im Bett liege und in dir ruhe, mein Gott, laufen mir manchmal Tränen der Dankbarkeit – und das ist mein Gebet.

(Etty Hillesum /1914–1943/, Tagebucheintrag aus dem Internierungslager Westerbork, 18. August 1943)