Von Juli 1890 lebte der heilige Charles de Foucauld im trappistischen Kloster in Akbes (damals Syrien, heute Türkei). Hier war er Zeuge der Anfänge des armenischen Völkermords, der zwischen 1915 und 1918 seinen Höhepunkt erreichte und bei dem die Türken etwa 1,5 Millionen Armenier umbrachten. Charles litt damals sehr unter dem Gefühl, dass ihn seine Nationalität schützte. Im Jahr 1896 schrieb er seiner Cousine:
„In ganz Armenien und ganz in unserer Nähe fanden schreckliche Massaker statt; aber ich denke, wir waren nicht in wirklicher Gefahr – unser Europäertum bewirkt nämlich, dass die türkische Regierung sehr darauf achtet, dass uns nichts passiert (…), aber für die Armenier war es schrecklich… Es wird von 100.000 Ermordeten gesprochen…“
„Ende März sollten wir in Akbes und alle Christen in einem Umkreis von zwei Tagesreisen sterben; aber ich war dessen nicht würdig… Es ist tausendmal gerecht…, aber wehe! Wie sehr es mich betrübt…! Betet für meine Bekehrung, damit ich beim nächsten Mal nicht verschont bleiben muss…“
(Charles de Foucauld /1858–1916/, Briefe an die Cousine, Februar und Juni 1896;
Einleitender Absatz bearbeitet nach dem Buch von der kleinen Schwester Annie Jesu, Charles Foucauld, Spirituelle Biografie)