Weihnachten
In den Stall lief ich zu Jesus, der zweiten göttlichen Person,
liegt auf Heu in der Krippe, im Schatten von Ochse und Esel.
Esel und Ochse geben ihm guten süßen und heiligen Schutz,
wärmen ihn mit ihren Körpern und ihr Atem drauft auf seinen fröstelnden Leib.
…
Und so bittet der Erlöser der Schwachen zu Beginn um Hilfe,
denn die Weisen und Mächtigen und Hochmütigen schlafen, und werden nicht in der Nacht aufstehen,
um einen Stern zu sehen und im Stall ein nacktes Kind zu finden,
das die Krippe anstelle einer Wiege hat und von Esel und Ochse umsorgt wird;
welcher König weint schon auf Heu in der Krippe oder in der Tränke
und sich den Unverständigen von Vieh darreichen lässt. –
…
Euch aber, gute Viehchen, wurde große Gnade geschenkt,
mit der Jungfrau Maria und dem heiligen Josef habt ihr euren Herrn als erste begrüßt.
…
So bin ich zu euch gelaufen, ich weiß, dass kein näherer Ort bei der Krippe ist,
und weinend dränge ich mich an euch (wie das Gras seid ihr wie duftende Hügel)
und in eure feuchten Augen wende ich meine bittenden Augen:
bis ihr das Jesuskind wärmt, wärmt auch mich, mich!
(Bohuslav Reynek /1892–1971/,
Auswahl aus dem Gedicht Weihnachten aus der Sammlung Durst, 1921)