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Bl. Johannes Paul II. und der Karmel
P. Emanuele Boaga, O.Carm.
Am 1. Mai 2011 erklärte Papst Benedikt XVI. seinen Vorgänger Johannes Paul II. (1920–2005) selig. Der Karmel ist diesem seligen Papst besonders dankbar für all seine Erklärungen und Dokumente, die die Verehrung der Gottesmutter vom Berge Karmel unterstützen, und auch für seine väterliche Güte, die er der Karmelfamilie so oft gezeigt hat.
Karol Wojtyła wurde am 18. Mai 1920 in der kleinen polnischen Stadt Wadowice nahe Krakau geboren. In der Nähe des Hauses seiner Eltern befand sich ein Konvent der barmherzigen Karmeliten, gegründet 1892 von P. Rafael Kalinowski, den Karol Wojtyła sehr bewunderte und den er als Papst 1991 heiligsprach. Von Kindesbeinen an besuchte der junge Karol die karmelitische Kirche, besonders an karmelitanischen Feiertagen, und zog viele Gnaden daraus, wie er mehrfach – bereits als Papst – in seinen Erinnerungen erwähnte.
Nach seiner gymnasialen Ausbildung begann er 1938 ein Philosophiestudium an der Universität in Krakau. In dieser Stadt ist der Karmel sehr lebendig: Hier gibt es sowohl einen Konvent der Unbeschuhten Brüder als auch zwei Klöster der Unbeschuhten Karmelitinnen. Im Konvent der Unbeschuhten Karmeliten absolvierte der Student Wojtyła geistliche Übungen, und er hatte stärkeren Kontakt zu beiden Klöstern der Nonnen. In die Studien der großen Mystiker Johannes vom Kreuz und Teresa von Jesus führte ihn jedoch ein karmelitischer Lai, ursprünglich Schneider, Jan Tyranowski.
Im Jahr 1942 trat Wojtyła in Krakau in das Seminar ein und wurde am 1. November 1946 zum Priester geweiht. Seine Kontakte zum Karmel vertieften sich. Er erkannte dessen Spiritualität zunehmend. An der Päpstlichen Universität Angelicum widmete er sich der weiteren Ausarbeitung der Lehre Johannes vom Kreuz und verteidigte am 19. Juni 1948 seine Dissertation zu diesem Thema mit Auszeichnung summa cum laude.
Nach seiner Rückkehr in sein Heimatland wuchs seine Liebe und Bewunderung für die karmelitanische Spiritualität weiterhin, der Erzbischof Kardinal Sapieha forderte ihn jedoch auf, in seiner Berufung den Weg des Diözesanpriesters zu verfolgen. Während seiner priesterlichen Tätigkeit in Krakau und während seiner Lehrtätigkeit für Ethik an der Katholischen Universität in Lublin setzten sich seine Kontakte zum Karmel fort. 1958 wurde er zum Weihbischof in Krakau ernannt und 1967 zum Erzbischof von Krakau. Seine Beziehungen zu den Klöstern der Unbeschuhten Karmeliten und Karmelitinnen in Krakau und Zakopane waren intensiv, und als Erzbischof von Krakau besuchte er auch den dortigen Konvent unserer Brüder.
Noch eine Sache verband Karol Wojtyła von Kindesbeinen an tief mit dem Karmel: die aufrichtige Verehrung der Gottesmutter vom Berge Karmel, die er auch während seines Pontifikats zahlreichen Gnaden und Schutz zuschrieb. Ein äußeres Zeichen dieser Verehrung war für ihn das Skapulier. Dieses nahm er bereits als Junge im Konvent der Unbeschuhten Karmeliten in Wadowice an. Oft erinnerte er an diese Tatsache, und bei jedem Treffen mit beiden Zweigen des karmelitischen Ordens sprach er über seine tiefe Verehrung für die Gottesmutter. Es lässt sich sagen, dass er während seines Pontifikats bei jeder passenden Gelegenheit, und besonders am Fest der Gottesmutter vom Berge Karmel, an die Mitglieder der karmelitischen Familie und alle, die den Weg des Karmels gehen, appellierte, um sie an den Schutz und die Gnaden sowie die Rolle der Gottesmutter im Geheimnis Christi und der Kirche zu erinnern und um sie zu ermutigen, dankbar zu sein und ein vertrauliches Leben mit Maria gemäß dem Willen Gottes zu führen. Mindestens siebenzig Mal – anlässlich des sonntäglichen Angelusgebets, bei Treffen mit verschiedenen Gruppen während seiner apostolischen Reisen und bei Mittwochsaudienzen – sprach der Papst über einen Aspekt der karmelitischen Verehrung der Gottesmutter und führte ihre geliebten Kinder zum Gebet und zum Nachfolgen ihrer Tugenden.
Die wichtigste Lehre Johannes Pauls II. für die Karmeliten ist sein apostolischer Brief Il providenziale evento, der am 25. März 2001 anlässlich des karmelitanischen marianischen Jahres veröffentlicht wurde. Dieser enthält unter anderem die Hauptlinien der marianischen Verehrung, die der Karmel pflegen soll.
Papst Johannes Paul II. sprach viele Karmeliten selig und heilig. Dazu gehörten drei Märtyrerpriestern: Titus Brandsma, Hilarius Januszewski und Jakub Retouret, sowie der afrikanische Laienmärtyrer – Mitglied des Skapulierbruderschaft Isidor Bakanja. Weiterhin bestätigte er am 20. Dezember 2003 die heroischen Tugenden der Gottesmutter Maria Teresa Scrilli, der Gründerin der Schwestern von der Gottesmutter vom Berge Karmel,1 und am 20. Dezember 2004 unterzeichnete er das Dekret über das Wunder, das auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria Crocifissa Curcio, der Gründerin der Kongregation der missionarischen Karmelitinnen der heiligen Therese vom Kinde Jesu, erbeten wurde. Ebenso wurde der maltesische karmelitische Tertiär Georg Preca, Priester und Gründer der Gesellschaft für kirchliche Lehre MUSEUM, von ihm seliggesprochen. Ein weiterer Priester – karmelitischer Tertiär Pietro Poveda Castroverde – wurde von ihm am 10. Oktober 1993 seliggesprochen und 2003 heiliggesprochen.
Die Anzahl der Mitglieder des Unbeschuhten Karmels, die von Johannes Paul II. beatifiziert und kanonisiert wurden, ist noch größer. Erwähnen wir die Seligen, die später heiliggesprochen wurden: Heinrich de Ossó y Cervello, Rafael Kalinowski, Terese Benedikta vom Kreuz (Edith Stein), Maria Maravillas von Jesus. Im Jahr 1992 erklärte der Papst Pater Kalinowski zu einem zweiten Patron der polnischen Diözese Sosnowiec und im Jahr 1999 erklärte er Edith Stein zur Mitpatronin Europas, zusammen mit der heiligen Birgitta von Schweden und der heiligen Katharina von Siena. Außerdem sprach er diesen Ordensleuten und Ordensfrauen der OCD selig: Maria von Jesus Kreuz (Miriam Baouardy), Elisabeth von der Dreifaltigkeit, Teresa Maria Manetti vom Kreuz, drei Märtyrinnen aus Guadalajara, Franz Palau y Quer, Joseph Naval Girbós, Maria Mercedes Prat y Prat, die Märtyrer der französischen Revolution Jean-Baptiste Durveneuil, Michael Ludwig Bruland, Jakub Cagnon, Maria Sagrario von hl. Ludwig Gonzaga und den Märtyrer Alfons Maria Mazurek. Er bestätigte die heroischen Tugenden der Diener Gottes: Maria Teresa Gonzáles Quevedo Cadarso, Maria Josephina von Jesus Kreuz, Elias von hl. Klemens, Antonius von Jesus den Gebundenen, Anita Cantieri, Kamila Rolón von hl. Josef, Eleonora Lopez de Maturana von hl. Ludwig, Johannes Vinzenz von Jesus und Maria, Teresa Mira García und die Eltern der heiligen Therese vom Kinde Jesu: Ludwig und Zelie Guérin.
Während seiner Reise nach Indien im Jahr 1986 seligsprach Johannes Paul II. den Mitbegründer und ersten Generalobersten der Karmeliten der Unbefleckten Empfängnis, Pater Cyriak Elias Chavara.
Hinzu kommen einige apostolische Briefe, die Johannes Paul II. anlässlich verschiedener karmelitanischer Jubiläen und außergewöhnlicher Feiern verfasste. Weitere Erwähnungen über große Persönlichkeiten des Karmels machte er während verschiedener Audienzen und Begegnungen. In der Linie des Ideals des Karmels stehen die Worte Johannes Pauls II., die er den Generalchapter beider Ordensteile richtete. Während seines Pontifikats feierten wir Karmeliten vier Generalkapiteln (1983, 1989, 1995, 2001). Bei den ersten drei gewährte uns der Papst eine besondere Audienz, zur letzten Kapitel sandte er einen Brief. Auch die unbeschuhten Karmeliten feierten während seines Pontifikats vier Generalkapiteln (1985, 1991, 1997, 2003), und jedes Mal sprach der Papst ihnen väterliche Worte des Segens zu. Ebenso ermutigte er in besonderen Audienzen die karmelitanischen Nonnen anlässlich der Generalkapiteln ihrer Kongregationen.
Auch bei anderen Feierlichkeiten der karmelitanischen Familie war Johannes Paul II. beteiligt. Anlässlich des 550. Jahrestages der Veröffentlichung der Bulle Cum Nulla [die traditionell als offizielle Zustimmung zur Gründung des zweiten und dritten Ordens im Karmel betrachtet wird] sandte er am 7. Oktober 2002 einen Brief an die Generalobersten beider orden, in dem er die vielen Früchte hervorhob, die die karmelitanischen Nonnen in der Kirche durch ihr „glänzendes Zeugnis beispielhafter Frauen“ tragen, und er ermutigte auch die Laien, die der Familie des Karmels zugeordnet sind, dem Weg der Heiligkeit nach dem Vorbild des Propheten Elia und der Gottesmutter zu gehen.
Das Interesse des Papstes an den Pfarreien und Ordensgemeinschaften der römischen Diözese ist ebenfalls bekannt. Seine Besuche von Pfarreien, die den Karmeliten anvertraut waren, zeichneten sich durch Einfachheit und Freundschaft aus; und seine aufrichtige Zuneigung überschritt oft den Rahmen offizieller Äußerungen.
Neun Karmeliten der ursprünglichen Observanz ernannte Johannes Paul II. zu Bischöfen, und zwei Bischöfe, die bereits von Paul VI. ernannt worden waren, beförderte er auf andere Stühle. Unter den unbeschuhten Karmeliten ernannte er 14 Bischöfe und fünf Bischöfe, die von Paul VI. ernannt worden waren, beförderte er auf andere Stühle. Am 22. Mai 1979 erhob er dann Pater Anastasio Ballestrero, einen unbeschuhten Karmeliten und Bischof in Bari und Turin, zum Kardinal.
Zahlreiche Kirchen, die der Gottesmutter vom Berge Karmel geweiht sind, verlieh der Papst den Ehrentitel „basilica minor“ und krönte viele Bilder der Gottesmutter vom Berge Karmel. Erinnern wir uns besonders an die Audienz auf dem Petersplatz am 12. September 2001, die von [allgemeinem] Erstaunen und Schmerz über den terroristischen Angriff auf die beiden Türme in New York geprägt war. Bei dieser Gelegenheit setzte der Papst eine neue Krone auf den Kopf der Statue der Gottesmutter vom Berge Karmel, die aus der nahegelegenen Kirche Santa Maria in Traspontina anlässlich des Abschlusses des marianischen karmelitischen Jahres und des 750. Jahrestages des Skapuliers gebracht wurde.
All diese Taten, die dem Intensivieren der marianischen Verehrung dienen, sprechen von dem tiefen und zärtlichen Band, das das Herz Johannes Pauls II. mit der Gottesmutter und mit jedem Menschen verband, und das – so scheint es – fast sein Erbe und seine Aufforderung ist, wie er oft wiederholte: „sich an sie mit innigem Gebet zu wenden, damit wir auf ihre Fürsprache alles erhalten, was wir auf unserem Lebensweg benötigen und um glücklich das heilige Gebirge, Jesus Christus, unseren Herrn, zu erreichen“ (Worte beim Angelusgebet am 21. Juli 1988).
In der Pfarrei der Gottesmutter Königin in Torrespaccata in Rom wird eine kostbare Reliquie aufbewahrt. Im Jahr 2007 schenkte Kardinal Stanisław Dziwisz, der Erzbischof von Krakau und ehemalige Sekretär Johannes Pauls II., der dortigen Kirche und Gemeinde das Skapulier der Gottesmutter vom Berge Karmel, das Johannes Paul II. trug. Im Namen der Gemeinde nahm es der Pfarrer P. Lucio Maria Zappatore, O.Carm. entgegen.
Aus der Zeitschrift CITOC 2/2011 übersetzt von Martina Vintrová
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