Maria lebt mitten unter uns als Mutter und Schwester.

Sie haben keinen Wein mehr...Maria, vom Heiligen Geist überschattet (1), ist die Jungfrau eines neuen Herzens (2), die dem Wort, das Fleisch wird (3), ein menschliches Antlitz gibt. Sie ist die Jungfrau des weiseren und kontemplativen Hörens, die die Ereignisse und die Worte des Herrn in ihrem Herzen bewahrt und darüber nachdenkt (4).

Sie ist die treue Jüngerin der Weisheit; eine Jüngerin, die Jesus – die göttliche Weisheit – sucht und sich von seinem Geist erziehen und formen lässt, um so in Glauben seine Handlungs- und Entscheidungweise zu verinnerlichen. So erzogen ist Maria in der Lage, die »großen Dinge« zu erkennen, die Gott in ihr für die Rettung der Demütigen und Armen erfüllt hat (5).

Maria, obwohl sie die Mutter des Herrn ist, wird zur vollkommenen Jüngerin, zur Frau des Glaubens. Sie folgt Jesus, reist mit den Aposteln und teilt mit ihnen den mühevollen und beschwerlichen Weg, der vor allem brüderliche Liebe und gegenseitigen Dienst erfordert. Auf der Hochzeit in Kana lehrt sie uns, an ihren Sohn zu glauben (6); am Fuß des Kreuzes wird sie zur Mutter aller Gläubigen (7) und erlebt mit ihnen die Freude über die Auferstehung. Sie vereint sich mit den anderen Jüngern »im ständigen Gebet« (8) und empfängt die Erstlingsgaben des Geistes, der die erste christliche Gemeinschaft mit apostolischem Eifer erfüllt.

Maria bringt die freudige Botschaft der Rettung zu allen Menschen. Sie ist die Frau, die Beziehungen nicht nur zu dem engen Kreis der Jünger Jesu, sondern auch zu den Menschen aufbaut: zu Elisabeth, zu den Neuverheirateten in Kana, zu weiteren Frauen und zu den »Brüdern« Jesu.

In der Jungfrau Maria, der Mutter Gottes und dem Vorbild der Kirche, finden die Karmeliten das vollkommene Bild all dessen, wonach sie selbst streben und hoffen, zu sein. Daher wurde Maria immer als Patronin des Ordens angesehen, wurde auch als Mutter und Zier des Ordens bezeichnet, und die Karmeliten hatten sie stets vor Augen und im Herzen als »die reinste Jungfrau«. Wenn wir sie betrachten und ein geistliches Leben in vertrauter Verbindung mit ihr leben, lernen wir, vor Gott zu stehen und gemeinsam als Brüder des Herrn zu sein. Maria lebt tatsächlich mitten unter uns als Mutter und als Schwester, achtsam auf unsere Bedürfnisse und erwartet und hofft gemeinsam mit uns, leidet und freut sich.

Gemäß ihrer Tradition, insbesondere seit dem 16. Jahrhundert, drückt der Karmel die liebevolle Nähe Marias zum Volk Gottes durch das Skapulier aus. Das Skapulier ist ein Zeichen der Weihe an Maria, ein Mittel, die Gläubigen mit dem Orden zu verbinden und ein zugängliches und wirkungsvolles Werkzeug der Evangelisierung.

(1) vgl. Lk 1,35; (2) vgl. Ez 36,26; (3) vgl. Joh 1,14; (4) vgl. Lk 1,19.51; (5) vgl. Lk 1,46nn; (6) vgl. Joh 2,5; (7) vgl. Joh 19,26; (8) Apg 1,14;

(Statuten des Ordens der Brüder der seligen Jungfrau Maria vom Berg Karmel, 1995, Art. 27)