Kann ein Mensch, und das ohne Gott, darüber entscheiden, was gut und was schlecht ist, so kann er auch festlegen, dass eine bestimmte Gruppe von Menschen ausgelöscht werden muss. Zu solchen Entscheidungen kam es beispielsweise im Dritten Reich, und es waren Personen beteiligt, die zwar auf demokratischem Weg an die Macht gelangten, diese jedoch zur Umsetzung verdrehter Programme der nationalsozialistischen Ideologie nutzten, die sich von rassistischen Annahmen inspirieren ließ. Ähnliche Entscheidungen traf auch die Kommunistische Partei der Sowjetunion und in den Ländern, die der marxistischen Ideologie unterworfen waren. In diesem Kontext wurden Juden und Roma, ukrainische Bauern, der orthodoxe und katholische Klerus in Russland, Weißrussland und hinter dem Ural ausgelöscht… Warum geschieht das alles? Die Antwort ist letztendlich einfach: Es geschieht, weil Gott als Schöpfer, also als Maßstab für die Unterscheidung von Gut und Böse, abgelehnt wurde.
Derjenige, der die endgültige Grenze des Bösen setzen kann, ist Gott. Gott selbst ist gekommen, um uns zu retten, um den Menschen vom Bösen zu befreien. Es ist nicht möglich, an die Grenze zu denken, die Gott dem Bösen in seinen verschiedenen Formen auferlegt hat, ohne das Geheimnis der Erlösung in Erinnerung zu rufen.
Ist das Geheimnis der Erlösung die Antwort auf das historische Böse, das in verschiedenen Formen in das Schicksal des Menschen zurückkehrt? Ist es auch die Antwort auf das Übel unserer Zeit?
Denjenigen, die dem programmatischen Einfluss des Bösen ausgesetzt sind, bleibt nichts anderes übrig als Christus und sein Kreuz als Quelle der spirituellen Selbstverteidigung, als Versprechen des Sieges. Wurde das Opfer von Maximilian Kolbe nicht zum Zeichen des Sieges über das Böse? Und war das Schicksal von Edith Stein nicht ein solches Siegeszeichen?
Die Welt wurde von Gott erlöst. Wenn die Erlösung die göttliche Grenze darstellt, die dem Bösen auferlegt wurde, so geschieht dies nur aus folgendem Grund: Das Böse wurde durch das Gute radikal überwunden, Hass durch Liebe, der Tod durch die Auferstehung.
(Johannes Paul II. /1920–2005/, Gedächtnis und Identität. Gespräche an der Schwelle von zwei Jahrtausenden)