Göttliche Zeit

Wilfrid Stinissen

Wie wunderbar ist es, dass Gott die Zeit nicht als unendlich lange, monotone Linie erschaffen hat. Gottes Zeit ist nicht ständig gleich, hier herrscht nicht ständig dieselbe Temperatur, es ist nicht immer gleich warm oder dunkel, nicht immer Sommer oder Winter.

Der Mensch neigt dazu, alle Unterschiede auszumerzen und auszugleichen. Statt tagsüber zu arbeiten und nachts zu ruhen, ist es uns gelungen, den Rhythmus der Natur und unserer eigenen Natur zu stören, und wir machen keinen Unterschied mehr zwischen Tag und Nacht.

Auch in Bezug auf unsere spirituelle Entwicklung wünschen wir uns, dass wir ebenso schnell Fortschritte machen. Doch die Realität sieht anders aus. In der Art und Weise, wie Gott den Lauf der Zeit sowohl auf materieller als auch auf spiritueller Ebene lenkt, herrscht ständig Wandel.

Dass der heutige Mensch so sehr nach konstruierter Veränderung sucht und ständig etwas anderem nachjagt, liegt wohl daran, dass er das Gespür für den natürlichen Rhythmus von Gottes Zeit verloren hat.

Gottes Zeit hat einen Rhythmus, dessen Wesen der Tod und die Auferstehung sind. Alles beginnt, alles stirbt, und wieder beginnt alles. Nichts ist einmal für allemal vollendet, nichts entwickelt sich nach einer gleichmäßig ansteigenden Kurve. Die Zeit enthält starke und schwache Momente. Es gibt Zeiten, in denen nichts Besonderes geschieht, und wieder Zeiten, in denen etwas völlig Neues beginnt.

Wenn du das Geschenk hast, diesen Rhythmus zu verstehen und zu respektieren und dich ihm ohne Widerstand und Einwände zu unterordnen, dann gibt dir Gott einen Vorgeschmack auf die tiefe Harmonie, zu der er dich geschaffen hat.