Im Zeichen der Skapulier

P. Gorazd Cetkovský, O.Carm.

Der Karmeliterverlag hat nun ein Büchlein über das Skapulier und die damit verbundene Marienverehrung veröffentlicht. Dies war der Anlass zur Wahl des Themas meines Vortrags beim diesjährigen bundesweiten Treffen der Terziaren in Kostelní Vydří. Den Inhalt habe ich noch überarbeitet und präsentiere ihn Ihnen nun auch in schriftlicher Form. Im tschechischen Übersetzung trägt das Buch den Titel: Unter dem Schutz des Skapuliers, verfasst von dem polnischen unbeschuhten Karmeliten Jerzy Zieliński. Aber ich würde mich an den Originaltitel halten, und genau nach diesem habe ich auch diesen Artikel überschrieben.

Es ist schwierig, etwas Originelles, Konkretes und Inspirierendes (d.h. geistlich Erbauliches) über die Jungfrau Maria zu sagen, um unsere Beziehung zu ihr zu vertiefen. Daher habe ich auf das Büchlein lange gewartet. Ich möchte es Ihnen jetzt vorstellen, aber nicht nacherzählen.

Manches darin könnte uns auch nicht „passen“, wie vielleicht die Wendungen „in den Dienst der Maria treten“ oder „Sklaverei“ (auch wenn es sich um ein für St. Ludwig Grignion teures Konzept handelt). Aber das ist nicht schlimm. Immerhin werden wir uns besser der Frage bewusst, wie es um unsere eigene Beziehung zur Jungfrau Maria steht. Und vielleicht lernen wir durch das Büchlein etwas kennen, das wir nicht sofort annehmen, aber zu dem wir vielleicht in Zukunft zurückkehren werden. Bis jetzt genügt es, dass wir davon wissen und wissen, wo wir danach suchen können.

Wahrscheinlich wird vieles von dem, was in dem Buch steht, für Sie nichts Neues sein. Aber Neues zu entdecken ist ja nicht die einzige Art des Nutzens, die uns das Lesen bringt. Es ist wertvoll, dass uns das Buch beim besinnlichen Lesen vergessene Dinge in Erinnerung ruft. Oder es drückt mit Worten aus, was wir intuitiv ahnen, und erleichtert so das Merken und das Weitergeben an andere.

Die Beziehung zur Jungfrau Maria führt zur Hingabe an sie

Der erste Teil des Buches hilft uns, unser Verhältnis zur Jungfrau Maria grundlegend zu überdenken.
Als wir neulich darüber in den Terziar-Gemeinschaften sprachen, erlebten wir, wie wir immer wieder von der Angst angegriffen werden, dass wir mit der Beziehung zur Jungfrau Maria gegen den Herrn Jesus sündigen und ihn dadurch benachteiligen könnten. Ich betrachte diesen Zweifel als einen raffinierten Angriff des Versuchers, der uns sehr schaden soll. Andererseits haben wir dieser Zweifel auch selbst (oder unsere Vorfahren) verursacht, indem unsere Beziehung zur Jungfrau Maria nicht immer ausreichend wahrhaftig, wirklich vom Leben mit Jesus getragen war, sondern oft pompös, gedankenlos, übertrieben oder einfach anders treulos gegenüber Christus war...

Maria ist nicht die zentrale Figur unseres Glaubens. Aber sie steht still in der Nähe Jesu und hilft uns, mit ihm zu sein, ihn zu verstehen, an ihn zu glauben und ihm zu folgen. Trotz aller unserer „mariannischen“ Redseligkeit, Übertreibungen und Kitsch bleibt Maria ein noch immer nicht ausreichend geschätzter Schatz, der immer noch zu wenig entdeckt ist. Aber durch das Skapulier öffnet sich uns eine ganz konkrete Möglichkeit, Maria „unter ihrem Mantel“ zu begegnen – durch ihre Fürsorge und Liebe gewärmt!

Das Buch ist eine wertvolle Frucht der Frömmigkeit des polnischen unbeschuhten Karmels. Es bietet uns einerseits Gedanken zum Nachdenken über unsere Beziehung zur Jungfrau Maria, enthält aber auch konkrete Anweisungen zum Ritus des Ankleidens und zum Tragen des Skapuliers (was häufige Fragen in der Praxis aufwirft) sowie Gebete zur Jungfrau Maria. Einige schöne Gedanken möchte ich direkt zitieren. Der erste bringt zum Ausdruck, worum es in unserem Verhältnis zur Jungfrau Maria wesentlich geht:

Das Herz der marianischen Verehrung ist die persönliche Erfahrung des Geschenks ihrer mütterlichen Liebe. Das bloße intellektuelle Wissen, dass Maria die Mutter Jesu und auch meine Mutter ist, weckt noch keine echte Frömmigkeit. Zuerst muss dieses intellektuelle Wissen über das Geheimnis in die „Sprache“ der Erfahrung und Praxis „übersetzt“ werden. Erst die persönliche Annäherung von zwei Herzen, die gemeinsames Glück und Unglück, Freude und Probleme teilen, und der Wunsch, sich der Jungfrau Maria anzunähern, erzeugen eine Liebesbeziehung.

Diese persönliche Erkenntnis von Marias mütterlicher Beziehung zu uns führt dann zu unserer Reaktion. Wir vertrauen uns Maria an. Laut dem Autor des Buches kulminiert dies in unserem Hingabeakt (Sich-schenken an Maria). Detaillierter spricht er so darüber:

Maria in einem Akt der Hingabe zu sich anzunehmen, bedeutet einen persönlichen Verpflichtung und eine vollkommene Hingabe an ihr Dienst. Es beschränkt sich nicht nur darauf, diese oder jene Gebet abzulehnen oder auf diesen oder jenen äußeren Ausdruck der Verehrung unter bestimmten Umständen, sondern umfasst das ganze menschliche Leben aus der Perspektive innerer Wirklichkeiten und äußerer Handlungen.
Diese Haltung lernen wir direkt von der Jungfrau Maria, die bei der Verkündigung dem Engel antwortete: „Ecce ancilla Domini – Ich bin die Magd des Herren“ (Lk 1,38). So hat sie sich vollkommen dem ewigen Willen des Vaters übergeben. Ihre Hingabe ist vollkommen und umfasst ihr ganzes Wesen: physische, moralische und geistliche Ebene.
Unser Akt der vollständigen Hingabe an sie führt dazu, dass sie uns effektiv und schnell auf dem Weg des geistlichen Lebens oder der Heiligkeit leiten kann. Diese Wege führen in die Ewigkeit, in das Geheimnis des Erlebens von Marias mütterlicher Liebe im Himmel.

Bei diesem Gedanken kam mir der Zweifel, ob es immer ein ausdrücklicher Akt sein muss. Ich bin der Meinung, dass dies in unserem Leben auch unbewusst geschehen kann. Wie wenn man einen mühsamen Weg beschreitet und feststellt, dass einen schon seit längerem jemand selbstlos begleitet, man ihn ansieht, sich freut und dankbar seine Hand nimmt und sich an ihn klammert, ohne ein Wort zu sagen...

Aber urteilen Sie selbst, ob Ihnen das überzeugend erscheint. In der Regel sind wir nicht nur bei solch einem romantischen, wortlosen Blick geblieben, sondern bekennen einander mit Worten unsere Dankbarkeit, Zuneigung und Vorstellung über unsere Beziehung in der Zukunft.
Das Ankleiden des Skapuliers der Jungfrau Maria und mein Tragen desselben ist ein solch ausdrücklicher Akt der Hingabe an die Jungfrau Maria, ein Zusammensein mit ihr.

Skapulier als Geschenk der Jungfrau Maria

Der zweite Teil des Buches konzentriert sich auf das Skapulier und die Geschichte dieses „Hilfsmittels“ (oder Form) zur Erfahrung der Beziehung zur Jungfrau Maria. Es erzählt sorgfältig von der Vision des heiligen Simon Stock, dem die Jungfrau Maria im 13. Jahrhundert als Antwort auf sein Gebet erschienen ist, um der Karmelitergemeinschaft zu helfen. Sie zeigte ihm die karmelitanische Kutte mit dem Skapulier und versicherte Simon ihrer mütterlichen Fürsorge für den Orden. Der Autor unseres Büchleins ist überzeugt, dass der heilige Simon in jener schweren Zeit seine Mitbrüder genau zu einem solchen Hingabe an die Jungfrau Maria geführt hat, von dem wir gesprochen haben.

Es ist interessant, dass Maria ihm laut der ältesten Version der Legende auf sein Skapulier deutete, als sie ihm sagte, dass das Skapulier das Zeichen ihres Schutzes sei. Erst die spätere Fassung der Legende erzählt davon, dass Simon das Skapulier erst von der Jungfrau Maria erhielt... Dennoch ändert dies nichts an dem Wesen dessen, was die Jungfrau Maria den Karmeliten verspricht und gibt. Wir treten in die Beziehung zur Jungfrau Maria ein, jedoch nicht nur allgemein, sondern in der Gemeinschaft des Karmels, durch diese Gemeinschaft – in ihrem historischen Dimension (Heilige im Himmel) und gegenwärtigen (Ordensleute, Ordensschwestern und Terziaren um mich herum).

Seit Beginn der Wiederbelebung des Karmels bei uns nach 1989 erinnern wir offen daran, dass die Skapulierlegende nicht den Anspruch erhebt, ein historisches Zeugnis zu sein, und dass die Realität der Vision des heiligen Simon nicht eindeutig bewiesen werden kann, andererseits gibt es jedoch auch keine überzeugenden Beweise dagegen.
Legenden zeigen auf ihren Geschichten, deren Historizität für sie nicht entscheidend ist, anschaulich eine bestimmte Wahrheit des Glaubens. In diesem Fall: dass wir Karmeliten mit der mütterlichen Sorge der Jungfrau Maria für unser Leben und für unser Heil rechnen können. Darauf können wir vertrauen, ohne zu zweifeln.

Den Wert des Skapuliers müssen wir jedoch nicht nur von der Erscheinung der Jungfrau Maria gegenüber dem heiligen Simon und den damit verbundenen Verheißungen ableiten. Das Skapulier ist aus anderen Gründen für uns kostbar. Vor einigen Jahren wies ich bei den Treffen des Dritten Ordens auf das Skapulier als Kleid, als Gewand hin. Und mit Hilfe des Wörterbuchs der biblischen Theologie1 habe ich mich dann mit der Symbolik des Kleides in der Bibel beschäftigt. Dies hat unseren Blick auf das Skapulier sehr bereichert. Den Inhalt dieser Überlegungen habe ich dann in vier Novenen zur Jungfrau Maria vom Karmel umgesetzt, die 2001 veröffentlicht wurden und die jemand vielleicht auch gelegentlich betet.

Jetzt möchte ich mich ähnlich einem Thema widmen, das im Buch von Jerzy Zieliński nur kurz erwähnt wird, aber gleichzeitig auch direkt in ihrem Titel steckt. Nämlich darüber nachzudenken, dass das Skapulier ein Zeichen ist. Darauf komme ich gleich näher zurück.

Das Skapulier führt zu Christus und erzieht uns

Der dritte Teil des Buches ist kurz und widerlegt auf zwei Seiten erneut den aufwühlenden Zweifel, dass unsere Beziehung zur Jungfrau Maria unsere Beziehung zu Christus konkurrieren könnte. Der Autor erklärt: Ziel der Skapulierausbildung ist Jesus Christus. Zu ihm führt uns, dass wir das Skapulier tragen und uns an die Jungfrau Maria wenden.

Der letzte, vierte Teil des Buches enthält ein interessantes Kapitel darüber, dass das Skapulier, genauer gesagt die Beziehung zur Jungfrau Maria, die durch das Skapulier ausgedrückt und gestärkt wird, unsert Leben beeinflusst, genauer gesagt: uns erzieht. Dieses Kapitel hat zwölf Abschnitte – jeder behandelt einen Aspekt dieser Erziehung. Zum Beispiel hilft uns das Skapulier, das Kreuz zu tragen, sowohl das Kreuz des Leidens, das wir durch unsere persönliche Sünde verursacht haben, als auch das Leiden, das uns nicht unmittelbar zuzuschreiben ist. Und ähnlich.

Ich zitiere aus dem Abschnitt über die Reinheit des Herzens:

Die Reinheit Marias Herzens übersteigt unseren Verstand. Das bedeutet jedoch nicht, dass dieses Herz vor den Menschen versiegelt und völlig verschlossen ist. Man kann in dieses Geheimnis eintreten und es erkennen.
Aber nur ein Weg führt dorthin: die Vertiefung des eigenen geistlichen Lebens. Warum nur dieser einzige Weg? Aus dem einfachen Grund, dass die Praxis des geistlichen Lebens darauf abzielt, immer höhere Grade der Reinheit des Herzens zu erreichen. Denn nur ein reines Herz kann vor diesen Geheimnissen stehen und sie mit Hilfe des göttlichen Lichtes erkennen.
Wenn wir unser Herz der Jungfrau Maria anvertrauen, sind wir gemäß dem Prinzip der Wechselseitigkeit eingeladen, das Abenteuer, ihr Herz kennenzulernen.

Die Reinheit des Herzens ist ein Geschenk. Ein Werk Gottes in uns. Marias reines Herz trägt wirksam zu diesem göttlichen Werk in uns bei.

Wiederholt wird auch in diesem Kapitel betont, dass unsere Beziehung zur Jungfrau Maria uns auch zur Dienst an unseren Nächsten verpflichtet. (Das würde Papst Franziskus gefallen, wenn er das lesen würde.) Bei der Ausübung der Skapulierverehrung sollten wir uns nicht in die Welt unserer privaten Angelegenheiten zurückziehen, sondern – gemäß Marias Vorbild – auf andere Menschen und ihre Probleme achten. Wir sollten ihrem Interesse an der Verwandten Elisabeth und an den Neuvermählten aus Kana in Galiläa nachfolgen...

Das Skapulier als Zeichen

Romano Guardini, der dazu ermutigt, den Wunsch zu haben, die grundlegendsten Zeichen in der Liturgie zu verstehen, sagt, dass es darum geht, „aus dem Körper die Seele herauszulesen“. 2 Lassen Sie uns so über das Skapulier nachdenken. Wir tragen es:

  • direkt am Körper (das deutet auf: Vertrautheit, Unmittelbarkeit des Kontakts und der Beziehung, Vertrautheit der Hingabe an die Jungfrau Maria),
  • ständig (bei allem, was wir erleben),
  • zur Erinnerung (weil wir vergesslich sind, entdecken wir es immer wieder an uns und erinnert uns an die, zu deren Ehren wir es tragen),
  • zum Schutz (der nicht automatisch wirkt, sondern dadurch, dass er unseren Glauben aktuell belebt),
  • zum Zeugnis (es ist jedoch wichtig, dass andere, wenn sie es sehen, verstehen, was es bedeutet),
  • zur Warnung vor dem Feind; darüber schreibt J. Zieliński: Wenn der Feind das Skapulier am Hals eines Menschen bemerkt, dann weiß er, dass, wenn er diesem Menschen den Krieg erklärt und beginnt, ihn mit Versuchungen zu bombardieren, er gleichzeitig der Macht dessen gegenüberstehen muss, die ihn mit ihrer Demut zerschmettert. Das ist für uns von unermesslichen Wert, immerhin handelt es sich um den geistlichen Kampf gegen den Feind unserer Errettung.

Ich wurde auch durch die Auslegung der Vorder- und Rückseite des Skapuliers erfreut, zitiert aus dem Werk eines anderen polnischen unbeschuhten Karmeliten: Der Teil des Skapuliers, der auf den Rücken fällt, weist uns darauf hin, dass wir „Mühen, Prüfungen und Kreuze unter dem Schutz der Jungfrau Maria in der Hingabe an den Willen Gottes nach ihrem Vorbild tragen sollen“; und der Teil, der auf der Brust liegt, erinnert daran, dass unser Herz „für Gott und die Nächsten schlagen sollte, sich aus Liebe von den vergänglichen Neigungen zu lösen und mit der Hilfe der Jungfrau Maria zu ewigen Gütern zu streben“.3

Um irgendein Zeichen wahrzunehmen, ist es nötig, mit ihm sinnlich in Kontakt zu treten. Also beim Skapulier: es zu sehen, es zu tragen, es am Körper zu fühlen, es in die Finger zu nehmen, es zu küssen... Hängt es an der Wand oder trägt man es in der Geldbörse, bleibt es zwar ein symbolisches Gewand, aber angezogen sind wir nicht. Es hängt jedoch von jedem von uns ab, wie „ernst“ er die Sprache, die dieses Zeichen spricht, nimmt und sie sprechen lässt.

Über Zeichen allgemein und in der Schrift

Ein Zeichen ist alles, was nicht nur für sich selbst Wert hat, sondern was zusätzlich noch etwas anderes bedeutet. Worauf es verweist. Mit den Worten von Prof. Heller: das, was „über sich selbst und hinter sich selbst zeigt“.

Das Zeichen ist ein wichtiger Begriff in der Schrift. „Lichter am Himmel“ (Gen 1,14) sollen „als Zeichen“ dienen, um durch ihre Position „Tag von Nacht zu scheiden“ und „Zeit, Tage und Jahre zu kennzeichnen“. Die karminfarbene Schnur am Fenster wird ein Zeichen dafür sein, in welchem Haus Rahab wohnt, die den Spionen das Leben rettete und der sie sich verpflichtet hatten, Barmherzigkeit zu erweisen (Jos 2). Der Herr tut für sein Volk oft „Zeichen und Wunder“ (z.B. als er es aus Ägypten befreit) und erwartet, dass die Antwort auf diese Zeichen das Vertrauen ist, den Glauben, den sein Volk ihm zeigt. „Der Herr sprach zu Mose: Wie lange wird dieses Volk mich missachten? Wie lange wird es mir noch misstrauen, obwohl ich mitten unter ihnen all diese Zeichen vollbracht habe?“

In der Bibel begegnen uns die Zeichen wirklich in großer Fülle. Ich lasse die göttlichen Zeichen im Alten und Neuen Testament beiseite, die den Charakter eines Wunders haben, die Abweichungen von den gewöhnlichen Naturgesetzen zeigen und damit die göttliche Souveränität, Macht... ich werde auch nicht von prophetischen Zeichen oder Zeichen des Kommens Gottes sprechen. Ich konzentriere mich auf die Zeichen, deren Inhalt ein gewisses „nicht übernatürliches“ menschliches Handeln ist, das jedoch ein konventionelles Zeichen von etwas im Verhältnis zwischen dem Herrn und denjenigen ist, die ihn verehren.

Das Alte Testament erwähnt drei große Bündnisse, die der Herr mit jemandem schließt (und zu jedem gehört ein Zeichen):

  • mit Noah und der gesamten Schöpfung – das Zeichen ist der Regenbogen: dass Gott in den Wolken einen Regenbogen macht;
  • mit Abraham und seinen Nachkommen – das Zeichen ist die Beschneidung, d.h. das Ritual der Beschneidung, das von den Israeliten durchgeführt wird;
  • mit den Israeliten am Sinai (Ex 31,12–17) – das Zeichen ist der Sabbat, d.h. die Einhaltung der Sabbatvorschriften.

Welche Rolle Zeichen spielen, ist gut aus den Versen Gen 9,12–15 ersichtlich:

Das ist das Zeichen des Bundes, den ich zwischen mir und euch und zwischen jedem lebenden Wesen, das bei euch ist, für zukünftige Generationen stifte:
Ich lege meinen Bogen in die Wolken, und der soll ein Zeichen des Bundes zwischen mir und euch sein.
Wenn ich Wolken über die Erde bringe und der Bogen in den Wolken erscheint, will ich an meinen Bund erinnern, der zwischen mir und euch und zwischen jedem lebenden Wesen, das Fleisch hat.
Das Wasser soll nicht mehr zur Flut werden, um alles Geschöpf zu verderben.

Der Regenbogen ist hier ein Zeichen, das nur Gott macht. Die Durchführung der Beschneidung und die Einhaltung des Sabbats beruhen jedoch bereits auf der Haltung des Menschen. Wer sie einhält, bekennt seinen Glauben gegenüber dem Bund mit dem Herrn. Er bekundet seinen Glauben daran, dass der Herr seinem Bund treu sein wird, und er selbst war treu. Durch die Umsetzung des Zeichens bekräftigte er, dass der Bund mit dem Herrn besteht.

Im Alten Testament teilte das Zeichen auch die Menschen: in die, die Anteil am Bund hatten und in die, die außerhalb waren. Aber Achtung: das birgt geistliche Gefahren in sich, könnte zur Arroganz verleiten. Das Skapulier darf kein Grund dafür sein, sich zu erheben. Darüber hinaus ist das Skapulier ein Zeichen des Bundes, der im Rahmen der Annahme des Heils nicht notwendig ist.

Das Skapulier ist ein Zeichen der Beziehung zwischen der Jungfrau Maria und uns, die die Gemeinschaft des Karmels bilden. Mit ein wenig Übertreibung könnte man sagen: ein Zeichen der Vereinigung zwischen Maria und uns.

Ein solches Bündnis – gegenüber allen Jüngern Jesu – wurde am Kreuz von Christus geschlossen, als er Johannes Maria als Sohn und Maria ihm als Mutter gab. Deshalb lesen wir diese Perikope des Evangeliums am Fest der Jungfrau Maria vom Karmel am 16. Juli! Wenn wir das Skapulier tragen, bekennen wir uns zu diesem Bund. Wir bekennen damit unseren Glauben an Marias Treue und unser Bemühen, ihr treu zu sein.

Auch das Weihegebet an die Jungfrau Maria vom Karmel äußert, dass das Skapulier eine Zeichenrolle spielt. Das Skapulier ist ein Zeichen, das Maria sieht:

Mit Liebe schaust du auf diejenigen, die mit deinem Skapulier bekleidet sind,
und deshalb bitte ich dich: unterstütze...
Möge das Skapulier mir stets deine barmherzigen Augen zuwenden...

Und das Skapulier ist ein Zeichen, das wir wahrnehmen:

(...) und sei mir ein Garant deiner besonderen Schutz im täglichen Kampf,
damit ich treu bleibe...
...und erinnere mich ständig an die Pflicht, auf dich zu blicken
und mich mit deinen Tugenden zu kleiden.

Eine ähnliche Begründung finden wir in der Schrift, wenn den Israeliten eine besondere Vorschrift über die Kleidung auferlegt wird (Num 15,37–39):

Der Herr sprach zu Mose: „Sprich zu den Israeliten und sage ihnen, dass sie sich für alle Generationen Quasten an die Ränder ihrer Gewänder machen sollen; und an die Quasten an den Rand sollen sie einen purpurroten Faden geben. Ihr werdet Quasten haben, um euch an alle Gebote des Herrn zu erinnern und sie zu erfüllen, damit ihr euch nicht eures Herzens und eurer Augen hingegeben...“

Und zum Schluss möchte ich noch eine eindrucksvolle Situation anführen, die ich mit dem karmelitanischen Skapulier verbinde: als P. Metoděj Minařík, ein treuer Verehrer der Jungfrau Maria vom Karmel und unser ältester Bruder, durch den unsere Gemeinschaft die Jahre der Totalität überstanden hat und sich während dieser auch noch vergrößerte, im Alter von einundneunzig Jahren einen Schlaganfall hatte und aus dem Kloster ins Krankenhaus gebracht werden musste. Dort verbrachte er die letzten Tage seines irdischen Lebens. Aber auch während seines Aufenthalts im Krankenhaus durfte er das Leinen-Skapulier der Jungfrau Maria vom Karmel um den Hals tragen. Mit ihm bekleidet starb er ebenfalls. Für mich war und ist das ein unauffälliges Zeichen der Treue Marias...