Die Anbetung zieht uns aus der Blase unseres Seins, die uns erdrückt. Sie ist eine Ablehnung des Narzissmus und der Selbstbetrachtung. Sie befreit uns von selbstzufriedener Egoismus und drückt unsere fundamentale Beziehung zueinander als Mit-Anbeter aus. (…) Wir werden von unserer kleinlichen Besessenheit mit uns selbst befreit. Wir knien und beten an, denn – Gott sei Dank – sind wir nicht der Mittelpunkt der Welt. Diese dreht sich um andere Menschen und letztendlich um Gott. Mit den Worten von Richard Rohr: „Ihr Leben dreht sich nicht um Sie.“ Mit den Worten des heiligen Paulus: „Ich lebe nicht mehr, sondern Christus lebt in mir.“ Wir treten aus dem Mittelpunkt der Bühne zurück. Wir sind froh, eine kleine Nebenrolle zu haben, in meinem Fall die Rolle eines ungeschliffenen Ordensmannes.
(Timothy Radcliffe OP /*1945/, Lebendig in Gott)