Der Tod, das ist ein mitreißendes, blendendes Treffen mit dem Unendlichen, dem Ewigen, der Liebe. Jede menschliche Liebe ist hingegen gemischt mit dem schmerzlichen Bewusstsein, dass wir, selbst wenn wir uns geben wollen, uns nie vollständig geben, und selbst wenn wir empfangen wollen, den Geliebten nie vollständig erkennen. Wir können uns nie ganz offenbaren, wir können niemals zu absolutem Wissen über den anderen Menschen gelangen. Immer bleibt etwas Unaussprechliches, Unausdrückliches, ein Teil des Seins, der sich nicht aussprechen lässt und in den wir nicht eindringen können. Im Moment des Todes beginnt derjenige, der uns verlässt, unser verborgenstes Wesen zu erkennen, und zwar durch das göttliche Wissen über uns. (…) Der Tod ist ein lange aufgeschobenes Treffen mit einem Freund. Reich belohnte Wartezeit.
(Abbé Pierre /Henri Grouès, 1912–2007/, Testament)