Er vermag es so weise und schön, aus dem Übel das Gute zu schöpfen.

Johannes vom Kreuz erregt heute die Aufmerksamkeit vieler Gläubigen und Ungläubigen mit seiner Darstellung der dunklen Nacht als typisch menschlicher und christlicher Erfahrung. Unsere Epoche hat dramatische Zeiten erlebt, in denen das Schweigen oder die Abwesenheit Gottes sowie erlittene Plagen und Leiden in Form von Kriegen und der Auslöschung vieler Unschuldiger es ermöglicht haben, diesen Ausdruck besser zu verstehen, da sie ihm den Charakter einer kollektiven Erfahrung verliehen und ihn brauchbar gemacht haben, nicht nur für eine Phase des geistlichen Weges, sondern zur Bezeichnung der Realität des Lebens selbst. (…) Krankheit, Hunger, Krieg, Ungerechtigkeit, Einsamkeit, der Verlust des Lebenssinns, die Zerbrechlichkeit menschlicher Existenz, das schmerzhafte Bewusstsein der Sünde, die scheinbare Abwesenheit Gottes sind für den Gläubigen reinigende Erfahrungen, die als Nacht des Glaubens bezeichnet werden können. (…) „Er vermag so weise und schön das Gute aus dem Bösen zu schöpfen“ (Geistliches Lied 23,5). Es handelt sich letztlich um ein wahres Erleben des Geheimnisses von Tod und Auferstehung in Christus.

(Johannes Paul II., apostolischer Brief Maestro nella fede, Nr. 14; 14. Dezember 1990)