Beschert mit Dasein

Der Mensch strebt danach, immer wieder mit dem Sein beschenkt zu werden, um das, was der Augenblick ihm gleichzeitig gibt und nimmt, auszuschöpfen. Er möchte nicht auf das verzichten, was ihm Fülle gibt, und er möchte ohne Ende und ohne Grenzen sein, um es vollständig und ständig zu besitzen. Freude ohne Ende, Glück ohne Schatten, Liebe ohne Grenzen, ein intensiv erlebtes Leben ohne Ermüdung, die mächtigste Tat, die gleichzeitig vollkommener Frieden und Erleichterung von allen Spannungen ist – das ist die ewige Seligkeit (…) Das ist das Sein, nach dem der Mensch in seinem Leben strebt.

(Edith Stein /1891–1942/, Welt und Person; 110)