Pierre Teilhard de Chardin SJ /1881–1955/ war Zeitgenosse mehrerer – sehr unterschiedlicher – karmelitanischer Heiliger: hl. Titus /*1881/, hl. Elisabeth von der Dreifaltigkeit /*1880/, hl. Georg Precy /*1880/, sel. Maria Sagrario /*1881/ oder sel. Maria Curcio /*1877/. Im Jahr 1899 trat er in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein und nur drei Jahre nach seiner Priesterweihe fand er sich in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs wieder. Als Priester konnte er nicht kämpfen, doch verbrachte er vier gesamte Kriegsjahre an der Front als Träger verletzter Soldaten; seine beiden leiblichen Brüder fielen in diesem Krieg. Durch die Fürsorge der tschechischen Gesellschaft Pierre Teilhard de Chardin erschienen seine Briefe aus den Jahren 1914–1919, von denen wir folgendes Auszug anbieten:
„Nun, diesmal wurden wir an das rechte Ufer zwischen Thiaumont und Fleury geschickt und an diesen schrecklichen Orten blieben wir etwa zehn Tage. (…)
Vor den Senken, die noch spärlich mit vertrockneten Wäldern bedeckt sind, von denen nur noch Pfähle übrig geblieben sind, erstreckt sich ein grasbewachsener Streifen. Weiter gibt es praktisch keine Vegetation; stattdessen umgedrehte Steine und noch häufiger Erde, rissig und bis zu drei Meter tief zerfurcht: eine echte Mondoberfläche. Es ist ein Gebiet, in dem es keine Schützengräben mehr gibt, wo wir uns in den Kratern der Granaten verstecken, die uns vage miteinander verbinden; um dorthin zu gelangen, müssen wir sehr oft eine Leiche eines Franzosen oder Deutschen beiseite schieben. (…)
Ich weiß nicht, wie das Denkmal aussehen wird, das unser Land irgendwann an der Küste von Froidterre errichten wird, um diese große Schlacht zu gedenken. Nur eines wäre angemessen: eine große Figur Christi. Nur das Bild des Gekreuzigten kann all den Schrecken, die Schönheit, die Hoffnung und das tiefe Geheimnis in einem solchen Wahnsinn von Kampf und Leid erfassen, ausdrücken und trösten. Ich fühlte eine große Rührung, als ich auf die Orte harter Anstrengung blickte, in dem Gedanken, dass ich die Ehre hatte, an einem der zwei oder drei Orte zu sein, wo sich in diesem Moment das gesamte Leben des Universums konzentriert und strömt. Es sind schmerzliche Orte, aber ich glaube immer mehr, dass sich an ihnen eine große Zukunft entfaltet…“
(Pierre Teilhard de Chardin SJ /1881–1955/, Brief von der Front, an seine Cousine, 23. August 1916;
zitiert nach dem Buch Pierre Teilhard de Chardin, Die Geburt des Denkens. Briefe 1914–1919, Malvern 2021)