Liebe ist eine schmerzhaft süße Erfahrung.

Der von dem Pfeil der göttlichen Liebe getroffene Mensch... kann jedoch dieses Feuer der Liebe in sich nicht löschen und will es nicht.Der von dem Pfeil der göttlichen Liebe getroffene Mensch sehnt sich danach, sich wieder in seinen Ursprung, zu seinem Gott, zu begeben, stößt jedoch auf lauter Hindernisse. Nach den Gesetzen der Liebe muss er zuerst verwandelt und fähig gemacht werden zu lieben, bevor er sich mit Gott vereinen kann, der die Liebe ist.

Deshalb ist die eigene Schmerzen des Mystikers, des Menschen, der in Gott verliebt ist, auch, dass sich in ihm die Liebe anhäuft, die in ihm noch nicht frei fließen kann. Er ist krank vor Überfluss an Liebe.

Dennoch kann und will er dieses Feuer der Liebe in sich nicht löschen. Ein Rückweg für ihn existiert nicht. Mit allem, was er in der Schöpfung, in der Schrift sieht, was er erlebt und was „unerklärlich“ ist, wird das Feuer, das in ihm brennt, noch mehr entfacht. Auch er selbst versucht es so sehr wie möglich zu schüren, denn genau danach sehnt er sich: von diesem Feuer verzehrt zu werden, von der Liebe verbrannt zu werden oder in der Gegenwart seines geliebten Gottes Heilung zu finden. Das Herz öffnet sich und scheint vor Überfluss an Liebe zu explodieren, das Verlangen steigt so sehr, dass es unerträglich wird – dabei kann Gott jedoch weder erfasst noch zu irgendetwas gezwungen oder besessen werden. Liebe ist schmerzhaft süße Erfahrung.

Weil der Mystiker aus Erfahrung weiß, dass er es nicht aus eigener Kraft schaffen kann, das Bedürfnis zu verlieren, alles unter Kontrolle zu haben und alles zu beherrschen, sehnt er sich danach, dass sein „Ich“ ermattet und schwach wird und durch die Macht der Liebe machtlos wird. Er sehnt sich danach, seiner durch die Liebe verursachten Krankheit nachzugeben und von der Liebe getötet zu werden. Der Mystiker, der durch die Liebe verwundet und krank ist, lebt im Sterben. In einem widersprüchlichen Prozess, der sein ganzes Leben dauern wird, wird der Mensch von der Macht der göttlichen Liebe verzehrt, stirbt an der Überfülle göttlicher Schönheit und findet im Tod der Liebe das wahre Leben. Das Drängen, sich zu ergreifen, zu kontrollieren und zu besitzen, hört auf, und der Mensch wird frei in Gott und für Gott und für seinen Willen in seinem Leben.

Franz Amelry, O.Carm. (16. Jahrhundert)

Wenn der Liebende ständig über die unaussprechlichen Güter nachdenkt, die ihm zuteilwerden, entflammt er ganz in der Liebe. Und wie das brennende Feuer sich ständig bewegt und niemals stillsteht, ... so ist auch das brennende Herz immer „in Bewegung“ durch die Praktizierung der Tugenden. Denn wie ein weiser Mann sagt: „Die Liebe kann ohne Taten nicht bleiben, und wenn sie ohne Taten ist, ist es keine Liebe“ (Gregor).

Wie der Kranke keine Macht über seine Gliedmaßen hat, die geschwächt und geschwächt sind, so ergeht es der Braut, die krank vor Liebe ist: sie sieht nicht mehr, um die Unwichtigkeiten zu betrachten, sie hört nicht mehr, um den Unwichtigkeiten zuzuhören, sie kann nicht mehr so sprechen, dass sie Unwichtigkeiten sagt, sie kann nicht mehr gehen, um Unwichtigkeiten zu suchen, sie hat keinen Verstand mehr, um Unwichtigkeiten auszudenken, noch Willen, um nach ihnen zu streben.

Nach dem Buch: Tanz der göttlichen Liebe
Herausgegeben von: Elisabeth Hense, T.OCarm.
Veröffentlicht im Verlag: Herder, 1991
Bearbeitet und übersetzt von: Norbert Žuška, O.Carm.