Julén Urkiza, OCD
An diesem Tag der Spiritualität1 habe ich die Aufgabe, auf die Beziehungen zwischen dem Lebensbuch und Edith Stein oder Teresa Benedikta vom Kreuz hinzuweisen; insbesondere auf die Präsenz von Teresas Leben in der Umkehr und im Verlauf weiterer Lebensabschnitte der preußischen Heiligen.
Auf der einen Seite haben wir Teresa, eine außergewöhnliche gesellschaftlich-religiöse und literarische Persönlichkeit des 16. Jahrhunderts, und auf der anderen Seite Edith Stein, eine andere große Frau des 20. Jahrhunderts. Und in diesen beiden Jahrhunderten finden wir beide Frauen, Teresa und Edith, vollständig integriert, aus der tiefsten Tiefe ihres Seins engagiert auf der Suche nach der Wahrheit, die dem Leben Sinn verleiht.
1. Der Weg der Suche und der Umkehr
Ediths Weg bis zu dem Abend zu Beginn des Sommers 1921, als sie Teresas Lebensbuch in die Hände nahm und ihre Umkehr erlebte, war lang und mühsam.2 Als Edith ihr Universitätsstudium aufnahm, hatte sie den jüdischen Glauben ihrer Mutter, den sie in ihrer Kindheit angenommen hatte, vollständig verloren. Gleichgültigkeit und religiöse Leere überwogen in ihr. Auf ihrer Suche nach der Wahrheit schlug sie den Weg der Philosophie ein. Von den ersten Studienjahren in Göttingen an fand Edith eine Gruppe von Phänomenologen, die ihr den passenden Boden für religiöse Überlegungen boten.
Der erste Anstoß, sich der Welt der Religionen zu öffnen, wurde ihr durch Max Scheler vermittelt. Er stammte aus München und war ein Phänomenologe, der Edith begeisterte; sie war von ihm fasziniert. Als Konvertitin vom Judentum eröffnete er Edith die Augen, um die Fülle des Seins zu entdecken; auf besondere Weise öffnete sich ihr so die Tür zum christlichen Denken.3
Ein zweiter wichtiger Lichtstrahl stellte für Edith ihre Beziehung zu den Eheleuten Reinach dar. Adolf Reinach und seine Frau Anna ließen sich während des Weltkriegs in der evangelischen Kirche taufen. Ende 1917 erhielt Edith die tragische Nachricht, dass Adolf Reinach an der Front gestorben war. Plötzlich musste Edith sich dem Problem von Schmerz und Tod stellen. Und sie war überrascht, dass Anna Reinach nicht durch Schmerz und Tod überwältigt war, sondern sie überwinde diese, indem sie an den Tod Christi und die Hoffnung auf die Auferstehung dachte. Dies hinterließ bei Edith, die diese Glaubensperspektive nicht teilte, einen tiefen Eindruck.
Und fast ein halbes Jahr nach dieser Erfahrung schrieb sie ihrem Freund Roman Ingarden: „Ich weiß nicht, ob Sie aus meinen vorherigen Mitteilungen bereits entnehmen konnten, dass ich mich zunehmend zu einem ganz positiven Christentum gearbeitet habe“.4 Ediths Weg zur Gnade der Umkehr sollte jedoch noch weitere drei Jahre fortgesetzt werden...
2. Die Lektüre von Teresas Lebensbuch (1921):
Edith findet die Wahrheit im „wahren Glauben“
2.1. Das Treffen
Gott hatte Edith bereits berührt. Es fehlte nur der letzte, endgültige Anstoß zu der großen Entscheidung in ihrem Leben. In den letzten Jahren hatte sie das wachsende Vertrauen in den Wert des Christentums zunehmend geschätzt, doch für seine vollumfängliche Annahme benötigte sie noch eine letzte Gnade.
Und die Stunde der Gnade und Ediths Treffen mit der Wahrheit fanden im Haus ihrer Freunde, der Philosophen Theodor und Hedwig Conrad-Martius, in Bergzabern statt. Edith kam im Mai nach Bergzabern und verbrachte dort mehrere Monate.
Eines Tages mussten Theodor und Hedwig sich entfernen und Edith blieb alleine in ihrem Haus. In diesem Moment trat sie zum Bücherregal des Paares und nahm das Lebensbuch der heiligen Teresa in deutscher Übersetzung von dem Regals.5 Sie begann es zu lesen und vertiefte sich in die Lektüre mit einer Intensität, als würde sie ihre eigenen menschlichen und spirituellen Erfahrungen in der Beziehung zu Gott auf dem Weg zu ihrer Umkehr lesen. So legte sie das Buch nicht aus der Hand, bis sie es ganz gelesen hatte. Sie erblickte das so erhoffte Licht, hier war die WAHRHEIT. Damit beendete sie die lange Suche nach der Wahrheit. Sie selbst gestand später Folgendes: „Im Sommer 1921 kam das Leben unserer heiligen Mutter Teresa in meine Hände und beendete damit meine lange Suche nach dem wahren Glauben“.6 Die lange Distanz zu diesem Treffen, besonders seit 1913, war überwunden. Edith fand das Licht, das sie brauchte, fand die Wahrheit; die Gnade drang endgültig in sie ein. Ab diesem Moment wird sie eine neue Etappe beginnen.
Sicherlich suchte Edith die Wahrheit sehr aufrichtig. Sie selbst schrieb einst in Bezug auf ihren Lehrer Husserl: „Gott ist die Wahrheit. Wer die Wahrheit sucht, sucht Gott, ob ihm dies bewusst ist oder nicht.“7 Jetzt hatte sie allerdings mit diesem Gott Kontakt, sie hatte „den wahren Glauben“ getroffen.
Während jener nächtlichen Lektüre geschah etwas Außergewöhnliches mit Edith. Ihr Leben veränderte sich, ihre intellektuelle Tätigkeit schlug eine andere Richtung ein, ihr religiöser Ausdruck fand einen sicheren Hafen im katholischen Glauben.
Sofort ging sie in die Stadt und kaufte zwei Bücher: den katholischen Katechismus und das Messbuch. Sie studierte und eignete sich ihren Inhalt an; anschließend suchte sie den dortigen Pfarrer auf und bat um die Taufe. Am 1. Januar 1922 wurde sie als Edith Teresa Hedwig getauft. Teresas Name würde mit ihr für den Rest ihres Lebens verbunden bleiben, in seiner zweiten Etappe, im Leben mit Gott. Sie nahm auch den Namen ihrer engen Freundin Hedwig an, mit der sie die Monate rund um ihre Umkehr intensiv erlebte, und die ihre Taufpatin war, obwohl sie der evangelischen Kirche angehörte.
2.2. Ediths empathisches Wahrnehmen von Teresas Schilderung des inneren Lebens
Zwischen Teresa und Edith, diesen beiden großen Frauen, gab es sicherlich eine wesentliche Seelen- und Lebensgemeinschaft. Edith trat intuitiv in Teresas inneren Kosmos ein, ja noch mehr, sie konnte in Teresas Lebensbuch sich selbst erkennen. Eine fremde Erfahrung, nämlich Teresas Erlebnis, wurde ihr vertraut, in gewisser Weise wurde es zu ihrem eigenen.
In diesem Zusammenhang sei auf das Zeugnis von Gertrud Kuznitzka verwiesen, von dem sich Edith äußerte: Sie war meine „sehr enge Freundin und hat meine Konversion sehr intensiv miterlebt, obwohl sie Jüdin blieb“.8 Gertrud bezeugt, dass Edith Teresa „laut vorlas; es handelte sich eher um ein Gebet als um eine Lektüre. Das dauerte über mehrere Monate an“.9 Edith sagte ihr, dass das, was sie in Teresas Schriften fand, im jüdischen Glauben nicht begegnete.
Der Eindruck, den die Lektüre von Teresas Lebensbuch in ihr hinterließ, war der, dass sie sich bereits in der teresianischen Gemeinschaft fühlte. Sie bekennt: „Als ich am Neujahrstag 1922 getauft wurde, dachte ich daran, dass es nur eine Vorbereitung für den Eintritt in den Orden sei“.10 Der Beichtvater bremste jedoch diese Wünsche, da es für den Augenblick angemessen war, dass sie als Frau mit ihrer äußeren Aktivität in der Kirche jener Jahre präsent war. Als sie schließlich in den Karmel in Köln eintritt, schreibt sie: „Fast zwölf Jahre war der Karmel mein Ziel gewesen.“11
2.3. Das Lebensbuch als Spiegel von Ediths Suche nach Gott
Was sah Edith tatsächlich in Teresas Erfahrungen im Bereich des Gebets? Einen persönlichen und liebenden Gott, der wollte, dass sie sich ihm im Gebet hingibt, bei dem es zu diesem Austausch von Freundschaft, zu diesem Austausch von Liebe und Hingabe kam. Edith erkannte jene Momente von Teresas Gebet, in denen die Seele in die Liebe eintauchte, Momente, in denen Teresa als in der Wahrheit ihres Seins aufging erschien, in einem Gebet, das letztlich Liebe war.
Diese Momente innerer Explosionen in Teresas Seele berührten Edith. Auch sie begann die Sehnsucht nach Einsamkeit und Stille zu verspüren, den Durst nach Authentizität und Wahrheit, nach Begegnung (mit Gott) in der Stille des Karmels; deshalb sehnte sie sich danach, dort einzutreten, wo sie Teresa mit dem Feuer der Wahrheit und Liebe durch ihr Lebensbuch infiziert hatte.
2.4. Ediths neue philosophische Tätigkeit
Die Monate von Mai bis Oktober waren für Edith eine Zeit intensiver philosophischer und religiöser Tätigkeit; zu Beginn des Sommers 1921 kam es zu dem endgültigen Treffen von Edith mit Teresa durch die Lektüre ihres Lebensbuches. Es ist uns gelungen zu entdecken, dass zwei von Ediths Manuskripten genau mit diesem Jahr der Umkehr übereinstimmen, also mit dem Jahr 1921. Edith hatte zuvor ihrem Freund Ingarden die Veränderung mitgeteilt, die in ihr stattfand. Das, was sie traf, war für sie so wertvoll, dass Edith in Zukunft nicht mehr das Verlangen haben würde, sich mit der Phänomenologie zu beschäftigen, wie sie dies bisher getan hatte. Und einen Monat später wird sie gegenüber ihrem Freund Ingarden noch konkreter: „Ich plane, in die katholische Kirche einzutreten.“ Über das, was mich dazu gebracht hat, habe ich Ihnen nichts geschrieben. Und es ist alles schwer zu sagen, und das zu schreiben geht schon gar nicht. Auf jeden Fall habe ich in den letzten Jahren viel mehr gelebt als philosophiert. „Meine Arbeiten sind nur eine Zusammenfassung dessen, was mich im Leben beschäftigt hat, denn ich bin so strukturiert, dass ich reflektieren muss.“12
Zu diesem neuen Nachdenken gehören wahrscheinlich zwei Schriften aus dem Jahr 1921: „Natur, Freiheit und Gnade“ (in der wir zwei Bezüge auf Teresa finden) und „Wahrheit – Geist – Wort“.
3. Edith erzählt vom Leben Teresas
Edith trat schließlich am 14. Oktober 1933 in den Karmel in Köln ein, am Vorabend des Festes der heiligen Teresa. Und das karmelitische Habit erhielt sie am 15. April 1934. In diesem Jahr entstanden zwei der drei Werke, die sie direkt über Teresas Leben und Werk schrieb: „Liebe um Liebe...“ und „Lehrmeisterin von Bildung und Erziehung: Teresa von Jesus“. Die dritte Schrift, „Die innere Burg“, wurde wahrscheinlich zu Beginn des Jahres 1936 verfasst.
3.1. „Liebe um Liebe“ (Liebe um Liebe)
Es handelt sich um das erste Buch, das Edith im Karmel schrieb, zu einer Zeit, als sie noch Postulantin war; und es widmete sich dem Leben Teresas: Liebe um Liebe. Leben und Werk der heiligen Theresia v. Jesus („Liebe um Liebe. Leben und Werk der heiligen Teresa von Jesus“).
Ein Aspekt, der Aufmerksamkeit erregt, den Edith im Vorwort betont und der gerade das Kernstück von Lebensbuch ist: das innere Gebet, die Vereinigung mit Christus. Edith verweist in diesem Zusammenhang auf den historischen Moment, in dem sie schrieb, auf den Akt der nächtlichen Anbetung der Kölner Gemeinschaft, „während draußen die Faschingsfeier die Menschen in Trunkenheit und Exaltation führt, während der politische Kampf die Geister spaltet“. Sie ist sich der Bedeutung jener Herzen bewusst, die dem Herrn ihre herzliche Liebe anbieten; sie hebt den versöhnlichen Aspekt hervor, da diese Herzen „durch ihre beharrlichen Gebete die göttliche Gnade und sein Erbarmen zu denjenigen anziehen, die in Sünde sind und verschiedene Bedürfnisse leiden“; und stellt fest, dass angesichts der schlechten sozialen Situation in den Menschen „ein neues Verständnis für die Macht des Gebets, der Versöhnung und der stellvertretenden Sühne erwacht ist“.
Das, was sie bereits im Sommer 1921 erlebte, als sie das Lebensbuch las, wird sie später einmal mit den Worten ausdrücken: „Ich sehnte mich danach, etwas von dem Geist, der diese große Frau durchflutete, in unsere Zeit zu übertragen, die im Zeichen von Kämpfen und Verwirrungen steht.“
Bei ihrem Eintritt in den Karmel hatte Edith in sich den Wunsch, sich mit Christus am Kreuz zu vereinen. Und in ihrem Leben im Karmel hat sie etwas geistlich sehr Außergewöhnliches getan, sie hat eine grundlegende Entscheidung getroffen, die in ihr allmählich gereift war, die Entscheidung, sich stellvertretend dem barmherzigen Herzen Jesu zu opfern. Im Jahr 1939 erlebte sie sehr stark, dass Gott viele Seelen ruft, sich ihm mit voller Liebe zu widmen zur Versöhnung [als entgegengesetzter Wert zu den Sünden der Welt], und dass auch sie eine von ihnen ist.13
Als Edith vom Leben Teresas erzählt, überschreibt sie ihren Text „Liebe um Liebe“. Damit fasst sie auch den Inhalt von Teresas Leben zusammen und möchte zugleich, dass ihr (Ediths) eigenes Leben voller Liebe und Hingabe sei.
Dieses Buch von Edith ist in sechzehn Kapitel unterteilt, in denen sie zentrale Momente aus Teresas Leben behandelt. Es handelt sich um eine sehr einfache Erzählung und Edith stützt sich dabei vor allem auf das Lebensbuch, während sie in den letzten Kapiteln auch auf Das Buch der Gründungen zurückgreift.
Ich möchte hier nur das sechste Kapitel hervorheben (betitelt In der Schule des Leidens. Das innere Leben) und das siebte Kapitel (Untreue), in denen Edith [Teresa] auf interessante Weise kommentiert, insbesondere was das Gebet betrifft. Edith nutzt diesen Moment, um über das Gebet zu sprechen; ihr schöner Kommentar beginnt mit der Übernahme der teresianischen Definition des Gebets, wobei sie das, was sie von Teresa empfangen hat, mit dem mischt, was bereits ihre eigene Überzeugung bezüglich des Gebets und des Gottes, der Liebe ist:
„Gebet ist der Umgang der Seele mit Gott. Gott ist Liebe und Liebe ist das Gute, das sich verschenkt; es handelt sich um die Fülle des Seins, das sich nicht in sich selbst verschließt, sondern sich mit anderen teilt, den Wunsch hat, sich anderen zu geben und sie glücklich zu machen. Diese überfließende Liebe Gottes verdankt die gesamte Schöpfung ihr Dasein. (...) Gebet ist der erhabenste Akt, zu dem der menschliche Geist fähig ist. Es ist jedoch nicht nur ein menschlicher Akt. Das Gebet ist wie Jakobs Leiter, über die der menschliche Geist zu Gott hinaufsteigt, während die Gnade Gottes auf die Menschen herabsteigt.“14
Edith sieht in der teresianischen Definition („Das innere Gebet ist meiner Meinung nach nichts anderes als der Umgang der Freundschaft, häufiges Verweilen in der Einsamkeit mit dem, von dem wir wissen, dass er uns liebt“15) die evangelische Botschaft des Vaterunser, nämlich die liebevolle Beziehung zum Vater, die familiäre Einheit mit Gott; und ergänzt ihrerseits dies bewundernswert, indem sie folgende philosophisch-anthropologische Bewertung äußert: Das Gebet ist der erhabenste Akt, zu dem der menschliche Geist fähig ist.
3.2. „Lehrmeisterin der Erziehung“
Edith begann den Noviziat am 15. April 1934, dem Tag, an dem sie das karmelitische Habit anzog. Und wahrscheinlich Ende desselben Jahres schrieb sie einen langen Artikel „Lehrmeisterin von Bildung und Erziehung: Teresa von Jesus“ („Eine Meisterin der Erziehungs- und Bildungsarbeit: Teresa von Jesus“). Die Schrift stützt sich auf einige Werke Teresas, vor allem jedoch auf das Lebensbuch.
Sie besteht aus einer Einleitung und drei Kapitel (1. Natürliche Führung; 2. Fachfrau in der Erziehung; 3. Lehrmeisterin der menschlichen Erziehung) und war vorrangig an Frauen gerichtet, da die Zeitschrift, die sie veröffentlichte, auf die katholische Erziehung von Frauen in Deutschland ausgerichtet war.16 Edith Stein bot den deutschen Katholikinnen das Beispiel von Teresa von Jesus als Vorbild der Kunst der Erziehung an.
Sie stellt Teresa als geborene Führerin dar, bereits von ihrer Kindheit an. Doch wird diese natürliche Führung durch Gnade erhöht. Fachfrau in der Erziehung wird Teresa laut Edith, als sie beginnt, ihr Werk des Aufbaus von Gemeinschaften und der Erziehung einer [ganzen] Generation von Nonnen zu beginnen.
Teresa hatte ein klares Erziehungsziel: Es handelte sich um das Lebensideal, das sie in ihrem Herzen trug, und um den mit diesem Ideal harmonierenden Typ Mensch; Edith erklärt dies folgendermaßen: „Das Ideal von Teresas Leben war das, zu dem sie von dem Moment an hingezogen wurde, als sie erlebte, was das innere Zusammensein der Seele mit Gott bedeutete. Der Lebensstil, der dem inneren Gebet zentrale Bedeutung beimisst und alle Hindernisse aus dem Weg räumt, gegen die sie während ihrer sechsundzwanzig Jahre in dem Kloster kämpfen musste.“17
In der Erziehung zum gemeinschaftlichen Leben erachtet Edith Teresas Satz für wichtig: „Demütigung bedeutet in der Wahrheit zu gehen“, und kommentiert: „Es war das Grundprinzip der heiligen Mutter“.18
4. Die Verehrung des heiligen Josef in Ediths Erleben
Teresa Zeugnis über ihre persönliche Verehrung des heiligen Josef, wie man es im sechsten Kapitel des Lebensbuches lesen kann, musste großen Eindruck auf Edith machen. Aus dem, was Edith über die Bedeutung des heiligen Josef in Teresas Leben anführt, und aus dem, was sie von dessen Bedeutung in ihrem eigenen Leben erzählt, lässt sich folgern, dass Edith nicht nur Teresas Vertrauen in den heiligen Josef bewunderte, sondern dass sie auch dieses große Vertrauen sich selbst aneignete.
4.1. Ediths eigenes Erleben
[Die zukünftige] deutsche Märtyrerin erklärt, dass Teresa die Mädchen im Kloster des heiligen Josef in Ávila dazu führte, sich vertrauensvoll in die Hände dieses Heiligen zu begeben, und kommentiert dies sehr interessant. Damit drückt sie aus, was ihr selbst widerfahren ist: „Die Mädchen wandten sich an den heiligen Josef, um sich dem Herrn in demütiger Gehorsamkeit, in großzügiger, grenzenloser Hingabe anzuvertrauen und um all ihre Schätze loszulassen“.19 Und über Teresa selbst sagt sie, dass sie den innigen Wunsch hatte, in der Abgeschiedenheit der Welt „in stiller Vertrautheit mit dem heiligen Josef“ zu leben.20
Edith hat zu Ehren des heiligen Josef zwei Gedichte verfasst, Verse voller biblischem und theologischen, vor allem jedoch autobiographischem Inhalt; das erste mit dem Titel „Lied an den heiligen Vater Josef“ (Lied zum hl. Vater Joseph), geschrieben im März 1936; und das zweite „Heiliger Josef, sorge für uns!“ (St. Joseph, sorg!) am 19. März 1939. Das zweite Gedicht ist ein Gebet zu heiligen Josef angesichts des großen Sturms und der sozialen Not, die durch den Nationalsozialismus hervorgerufen wurden. Hier treten gerade Ediths bedeutende autobiografische und geistliche Daten zutage.
In dieser äußerst schwierigen sozialpolitischen und religiösen Situation, die auch ihr persönliches Leben sehr berührte, verfasst sie das genannte Gedicht an den heiligen Josef. Edith betrachtet den heiligen Josef als einen Lichtstrahl, „einen strahlenden Stern“, der sich freundlich nähert und väterlich Güte und Zärtlichkeit verteilt; für Edith ist er ein Lichtstrahl der Hoffnung. In der zweiten Strophe stellt sie den heiligen Josef als Vorbild für Gehorsam und Glauben dar, als neuen Abraham, der auf Gottes Verheißung hört und den Weg der Hoffnung und des Glaubens geht.
Und in der dritten Strophe dominiert das Bild des Wanderns, das mit der Suche nach einer Herberge und dem Finden eines Zuhauses verbunden ist. Das Zuhause für die verfolgte Jüdin wird der heilige Josef sein: ob es im Ausland oder in Ägypten, in Bethlehem oder Nazareth, in Köln oder Echt sein sollte... Ihr Zuhause wird der heilige Josef sein.
Aus dem Spanischen übersetzt von Pater Wojciech von der hl. Hedwig, OCD.
Die Übersetzung wurde redaktionell bearbeitet.