Bericht über den Zustand der Kirche in Spanien, vorgetragen vom baskischen republikanischen Minister Manuel de Irujo (1) auf einer Kabinettssitzung am 7. Januar 1937:
„Die reale Situation der Kirche seit Juli letzten Jahres auf dem gesamten Gebiet, das der Republik treu geblieben ist (wenn man die baskischen Provinzen nicht zählt), ist folgende:
a) Alle Altäre, Bilder und kultische Gegenstände wurden bis auf wenige Ausnahmen zerstört, meistens durch Entweihung.
b) Alle Kirchen wurden aufgehoben und die Durchführung von Gottesdiensten darin wurde vollständig eingestellt.
c) Ein großer Teil der Tempel wurde verbrannt, und in Katalonien geschah dies regelmäßig.
d) Lager und offizielle Institutionen erhielten Glocken, Kelche, Monstranzen, Kerzenständer und weitere kultische Gegenstände, schmolzen sie ein und verwendeten dieses Material für industrielle Zwecke oder auch für Kriegszwecke.
e) In den Kirchen wurden Lager verschiedener Art, Märkte, Garagen, Ställe, Unterkünfte oder Heime eingerichtet, oder sie wurden anderweitig genutzt…
f) Alle Klöster wurden geräumt und das religiöse Leben darin wurde unterbrochen. Gebäude, kultische Gegenstände und andere Vermögenswerte wurden besetzt, verbrannt, geplündert und demoliert.
g) Priester und Ordensbrüder wurden verhaftet, ins Gefängnis geworfen und ohne Prozesse tausendfach erschossen. Diese Taten, wenn auch in geringerem Umfang, geschehen weiterhin, und zwar nicht nur in Dörfern, in denen eine Hetzjagd auf die Vertreter der Kirche organisiert wird und sie barbarisch getötet werden, sondern auch in größeren Siedlungen und Städten. In den Gefängnissen in Madrid, Barcelona und anderen Großstädten befinden sich Hunderte von Verhafteten, die dort ohne bekannte Gründe sind, außer dass sie Priester oder Ordensleute sind.
h) Gegenwärtig ist es vollständig verboten, heilige Bilder und kultische Gegenstände im Privatbesitz zu haben. Die Polizei führt Hausdurchsuchungen durch und sucht in den Wohnungen, im intimen Umfeld von Einzelpersonen oder Familien, und zerstört gewaltsam und mit Hohn Bilder, Drucksachen, religiöse Bücher und alles, was mit dem Glauben zu tun hat oder ihn erinnert.“
(1): Manuel de Irujo /1891–1981/, Jurist, Führer der baskischen nationalistischen Partei, versuchte als Minister /ab 26. 9. 1936; ab 1939 im Exil/ die Befreiung der inhaftierten Priester und Ordensleute und die Wiederherstellung des Gottesdienstlebens. In seinem Bericht dokumentiert er den Widerspruch zwischen der Verfassung, die auch damals die Religionsfreiheit gewährte, und der faktischen Situation im Land.
(A. Riccardi, Das Jahrhundert der Märtyrer, KNA 2014, S. 346)