Geschehe, was der Geliebte will.

Weihnachten. Heute Abend keine Messe, zum ersten Mal nach einundzwanzig Jahren: geschehe der Wille des Geliebten. Bis zur letzten Minute hoffte ich, dass jemand kommt, aber niemand kam, weder ein christlicher Reisender, noch ein Soldat, noch die Erlaubnis, die Messe selbst zu feiern. Seit drei Monaten, länger als drei Monate, habe ich keinen Brief erhalten…

Die Frage, die Sie mir stellen – ob es besser ist, im Hoggar ohne die Möglichkeit zu sein, die heilige Messe zu feiern, oder sie zwar feiern zu können, aber nicht hier zu sein – habe ich mir selbst auch oft gestellt. Früher neigte ich dazu, alles dem Feiern der heiligen Messe zu opfern: aber solches Denken muss in gewisser Weise sündhaft sein, denn nach den Aposteln haben selbst die größten Heiligen in bestimmten Situationen die Möglichkeit, die heilige Messe zu feiern, den Werken der geistlichen Barmherzigkeit geopfert… In einem fremden Land allein zu wohnen ist gut; man hat dort etwas zu tun, auch wenn man nicht viel erreicht, denn man wird einheimisch; man ist dort so zugänglich und so „völlig klein“.

(Charles de Foucauld /1858–1916/,
Korrespondenz aus einer abgelegenen Wüstenstation im Hoggar,
wo Charles der einzige Priester und der einzige Christ weit und breit war
und nach den damaligen liturgischen Regeln die Eucharistie nicht allein feiern durfte…;
1. Auszug aus einem Brief an Frau de Bondy, 25. Dezember 1907;
2. Auszug aus einem Brief an Bischof mons. Guérin)