Gott kann nur das, was die Liebe kann.

Der Ausdruck „allmächtig“, der wie im Takt einer Trommel in der Liturgie erklingt, kommt im Evangelium überhaupt nicht vor, er wird niemals aus Jesu Mund als Eigenschaft Gottes ausgesprochen. Jesus erzählt nicht von Gottes Allmächtigkeit, sondern von seiner Zärtlichkeit. Gott ist Liebe und kann nicht alles. Er kann nur das, was die Liebe kann.
Er hat nicht die Macht eines Chirurgen, der eingreift und das Böse entfernt. Auch hat er nicht die Macht einer Armee, die Feinde zerstört. Er hat die Macht des Samens, die Macht des Liebenden, die Macht einer Mutter, die neben ihrem kranken Kind sitzt, die es nicht heilen kann, aber in seiner Nähe bleibt und sich nicht von ihm entfernt, von Herz zu Herz, Kraft, Sicherheit, Präsenz, die nicht verlässt.
Nicht Gott als Allmächtigen im Sinne der Politik oder unserer menschlichen Mythen, der Feinde zerstört (übrigens ist die Dunkelheit hier immer noch und das Böse ist hier zusammen mit dem Guten), sondern Gott als Allliebenden, der nur das kann, was Liebe kann.

(Ermes Ronchi /*1947/, Schlüsselfragen des Evangeliums,
Meditationen gehalten bei den geistlichen Übungen für Papst Franziskus und die römische Kurie, 2016)