Unser Gott, zerrissen und zerbrochen ist der Schoß unseres Landes, zerrissen und zerbrochen ist der Schoß, der Sicherheit bietet – der Schoß unserer Häuser und Stuben, Gott, zerrissen und zerbrochen ist der Schoß unserer Herzen!
Herr und Gott, möge über diesem zerrissenen und zerbrochenen Schoß unseres Landes, unserer Städte, unserer Stuben, unserer Herzen der Morgen der Verkündigung anbrechen. Wie am Anfang der Welt Dein Heiliger Geist über der Dunkelheit des ungestümen Chaos schwebte; und wie zur Vollendung der Zeit Dein Heiliger Geist in die verwüstete Welt, in das verwüstete Palästina, in den verwüsteten Alten Bund und auch auf Maria, die Letzte aus dem verwüsteten und zerstörten Geschlecht, herabstieg: Gott, möge über uns der Morgen der Verkündigung anbrechen!
Wir legen Dir unsere Not dar, wir legen Dir unser Leiden dar, wir legen Dir unsere Zerbrochenheit dar, wir legen Dir unsere Herzen dar, die sich widersetzen!
Gott, gib, dass wir mit vollkommener Offenheit und Entschlossenheit Dein Leben annehmen, Dein Leben tragen, Dein Leben aus unserer Not, aus unserem Leiden, aus unserer Elend, aus unseren Schmerzen verschenken!
Gott, könnten wir nicht ahnen, könnten wir nicht glauben, dass Du uns in dieser Stunde die Ehre Deiner heiligsten Mutter auflegen und sie in unsere Herzen strömen lassen möchtest?
Gott, wir danken Dir mitten in unserem Leiden, mitten in unserem Elend und bitten mit Deiner Braut, bitten mit Deiner Mutter, bitten mit der, die in uns zum Schoß der Welt geworden ist, bitten wir: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; geschehe mir nach Deinem Wort“. – „Meine Seele erhebt den Herrn, denn sie hat auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut. Von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter, denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig!“
(Erich Przywara SJ /1889–1972/, Gebete dieser Zeit, 25; zur Zeit des 2. Weltkriegs)