Das Kreuz Christi ist für jeden Menschen die Frage: Glaubst du oder glaubst du nicht? Nimmst du an oder verleugnest du? Das Kreuz Christi ist ein Werkzeug, an dem man den Stolz brechen kann und brechen muss. Es ist ein Baum, dessen Früchte nur ohne Stolz erreicht werden können. Christus, der darauf gediehen ist, war nicht stolz. Selig ist der, der so müde, gequält und von der Welt erschöpft kommt, dass er auf dem Weg die letzten Reste seines Stolzes wie eine nutzlose Last ablegen musste, da er nichts mehr tragen kann. Selig ist der, der mit leeren Händen, erschöpft und hungrig kommt, der sich nicht darauf verlassen kann, dass er etwas mitbringt, der sieht und fühlt, dass er selbst nichts hat und alles braucht. Das Kreuz Christi ist der Zufluchtsort für die, die kommen, um weinend und auf die Knie gefallen wie die elendesten Bettler zu bitten, für die alle Türen dieser Welt bereits geschlossen und verriegelt sind.
(Jaroslav Durych /1886–1962/, Herz und Kreuz, Privatdruck der Zeitschrift Na hlubinu, 1932)