Gestern besuchte uns P. Voillaume und empfahl uns, nach kindlicher Spiritualität zu streben. Ein Kind glaubt seinem Vater, wenn es bei ihm ist, hat überhaupt keine Angst und vertraut blind. Es kümmert sich nicht um die Frage: „Was werde ich morgen essen?“, denn es weiß, dass er dafür da ist.
Wie würde Maria sich verhalten und was würde sie denken, wenn sie sich nicht von der kindlichen Spiritualität leiten ließ, die aus ihrem Glauben sprudelt? Würde sie das Geheimnis der Geburt Jesu verstehen? Könnte sie das unbegreifliche Morden unschuldiger Kinder annehmen? Wie kommt es, dass der Allmächtige dabei nicht eingegriffen hat, nachdem er Josef zuvor auf wunderbare Weise zur Flucht aufgefordert hatte? Es ist überflüssig, weitere Fragen zu stellen. Das Leben des Gottesmenschen ist so ein großes Geheimnis, dass man es nur mit dem Glauben erfassen kann, der mit der Einfachheit eines Kindes angenommen wird. Mein Weg ist genau dieser.
(Carlo Carretto /1910–1988/, Tagebuchnotiz vom 26. Dezember 1954)