Gib dich hin, verliere dich blind im Vertrauen auf unseren Herrn.

Wenn Gott jedoch eingreift, um unser Herz zu stoppen, um mit Kraft das Verlangen nach Glück und gegenseitiger Liebe, das Er während der glücklichen Jahre unserer Jugend in uns geweckt hat, zu sich zu lenken - dann sollten wir uns nicht beschweren. Schimpfe nicht auf unseren Herrn, wenn Er Dich zu mehr als einer „gewöhnlichen Christin“ machen will. Da Deine Tätigkeit großen Einfluss haben soll, muss sie aus einem Herzen entspringen, das gelitten hat: das ist das Gesetz, in seiner Essenz süß… Wenn Du traurig und gelähmt bist, neige Dich bitte und gib Dich hin. Neige Dich so, dass Du Gott Dein Leben anbietest, das Dir durch die Umstände zerstört erscheint; welche Ehre könnte schöner sein als dieser liebevolle Verzicht auf das, was wir hätten sein können!... Gib Dich hin, verliere Dich blind im Vertrauen auf unseren Herrn, der Dich würdig machen will. Und das wird Er auch, selbst wenn Du bis zum Ende in der Dunkelheit bleiben müsstest, solange Du weiterhin seine Hand hältst, desto fester, je enttäuschter und trauriger Du bist.

(Pierre Teilhard de Chardin SJ /1881–1955/, Brief von der Front, an die Cousine, 22. August 1915;
zitiert nach dem Buch Pierre Teilhard de Chardin, Die Geburt des Denkens. Briefe 1914–1919, Malvern 2021)