Herr, wir sind ein Friedhof, gehe über uns hinweg und sprich Dein Wort.

Herr und Gott, wir liegen vor Deinem heiligsten Antlitz in unserer ganzen Ohnmacht! Wir sind ein Begräbnis unserer eigenen Sünden, wir sind ein Begräbnis Deines gerechten Gerichts…
Herr und Gott, möge Dein Atem uns leiten, komme über uns im Rausch Deines Heiligen Geistes! Tritt in unsere steinernen Körper, tritt in unsere steinernen Herzen, tritt in unseren steinernen Geist! Herr Gott, möge die Kraft Deiner Schöpfung toben! Lass nicht zu, dass unsere Sünden größer werden; dass unsere Verzweiflung größer wird; lass nicht zu, dass unsere Unzugänglichkeit größer wird! Komme über uns, Herr Gott, in der Macht Deines Feuers, in der Macht Deines Sturms!
Sprich Dein Wort, mit dem der Himmel und die Erde entstanden! Sprich Dein Wort, mit dem in der Stunde der Golgatha der neue Bund entstand! Sprich Dein Wort, in dieser Stunde, dass wir Dein neues Volk, Deine neue Kirche, Deine neue westliche Zivilisation werden! Wecke uns aus dem Schlaf, damit die Quelle Deines Lichtes, die Quelle Deiner Liebe, die Quelle Deines Lebens in uns erweckt werde. Mögest Du uns mit Deiner unendlichen Liebe überwältigen! Heiliger Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, mögest Du über uns fließen, mögest Du durch uns fließen, mögest Du von uns in die ganze Welt fließen! Mögen Himmel und Erde zu einem einzigen Strom, einem einzigen Wogen und einem einzigen Puls Deines Lichtes, Deiner Liebe, Deines Lebens werden, den dreimal heiligen Ostern.

(Erich Przywara SJ /1889–1972/, Gebete dieses Zeitalters, 14; zur Zeit des Zweiten Weltkriegs)