„Hab keine Angst! Das bin ich!...“

Bald werde ich vor dem höchsten Richter meines Lebens stehen. Und so sehr ich bei dem Anblick meines langen Lebens viele Gründe zur Sorge und Angst habe, bin ich doch voller freudiger Zuversicht, weil ich fest daran glaube, dass der Herr nicht nur ein gerechter Richter ist, sondern auch Freund und Bruder, der selbst meine Mängel erlitten hat und deshalb als Richter zugleich mein Anwalt (Paraklet) ist. Wenn ich an die Stunde des Gerichts denke, wird mir klar, welch ein Gnadengeschenk es ist, Christ zu sein. Es schafft eine Bekanntschaft, ja, sogar Freundschaft mit dem Richter des Lebens, und das erlaubt mir, mit Vertrauen durch das dunkle Tor des Todes zu gehen. Dabei kommt mir immer wieder in den Sinn, was Johannes zu Beginn des Buches der Offenbarung erzählt: Er sieht den Menschensohn in all seiner Majestät und fällt ihm wie tot zu Füßen. Er aber legt ihm seine Rechte auf und sagt: „Fürchte dich nicht! Ich bin es!...“

(emeritierter Papst Benedikt XVI. /* 1927/, Brief an die Gläubigen der Erzdiözese München, 6. Februar 2022)