Denken wir ohne Unterlass an Ihn!

Denken wir stetig an ihn... lasst uns unser ganzes Vertrauen in ihn setzen!Laurentius von der Auferstehung (1614–1691)

Zusammen mit diesen Zeilen sende ich Ihnen die Antwort auf den Brief, den ich von unserer guten Schwester N... (1) erhalten habe; seien Sie so freundlich und übermitteln Sie ihr mein Schreiben. Es scheint mir, dass sie grundsätzlich guten Willen hat, aber dass sie in Bezug auf das geistliche Wachstum schneller sein möchte als die Gnade: Ein Mensch wird nicht auf einmal heilig!

Ich empfehle sie Ihnen an, wir müssen uns gegenseitig mit Rat und noch mehr mit gutem Beispiel helfen. Lassen Sie mich gelegentlich wissen, wie es ihr geht und ob sie entsprechend eifrig und gehorsam ist.

Denken wir oft daran, meine liebe Mutter, dass unsere einzige Aufgabe in diesem Leben darin besteht, Gott zu gefallen: ist denn nicht alles andere Dummheit und Torheit? Wir leben bereits seit mehr als vierzig Jahren als Ordensangehörige, haben wir diese dazu genutzt, Gott zu lieben und ihm zu dienen, der uns in seinem Barmherzigkeit dazu berufen hat? Es erfüllt mich mit Scham und Trauer, wenn ich auf der einen Seite an die großen Gnaden denke, die mir Gott gegeben hat und die er mir ohne Unterlass weiterhin gewährt, und auf der anderen Seite, wie schlecht ich sie genutzt habe und wie langsam und zögerlich ich auf dem Weg zur Vollkommenheit vorankomme.

Da uns Gott in seiner Barmherzigkeit noch ein wenig Zeit schenkt, lass uns rasch und freudig zur Arbeit schreiten! Lassen Sie uns die verlorene Zeit aufholen! Wenden wir uns erneut mit vollem Vertrauen an diesen guten Vater, der immer bereit ist, uns liebevoll aufzunehmen. Lassen Sie uns, meine liebe Mutter, aus Liebe zu ihm großzügig alles aufgeben, was nicht er ist, denn er verdient schließlich unendlich mehr. Denken wir ohne Unterlass an ihn. Lasst uns unser ganzes Vertrauen in ihn setzen, ich bezweifle nicht, dass wir bald die Wirkung und Fülle seiner Gnaden erleben werden; mit ihnen können wir alles bewältigen, ohne sie jedoch werden wir nur in die Sünde fallen.

Den Gefahren und Fallen, die das Leben voller Herausforderungen birgt, können wir nicht ausweichen ohne beständige, aktuelle Gotteshilfe; lasst uns darum ohne Unterlass darum bitten. Wie können wir ihn aber bitten, wenn wir nicht mit ihm sind? Wie können wir mit ihm sein, ohne oft an ihn zu denken? Wie können wir oft an ihn denken, wenn wir uns dies nicht zur heiligen Gewohnheit gemacht haben? Sie werden mir sagen, dass ich Ihnen immer dasselbe erzähle. Das stimmt: Ich kenne kein geeignetes und einfacheres Mittel als dieses! Und da ich selbst kein anderes verwende, empfehle ich es jedem. Ein Mensch muss eine bestimmte Sache kennenlernen, bevor er sie lieben kann: Um Gott zu erkennen, müssen wir oft an ihn denken. Und wenn wir ihn dann lieben, werden wir umso häufiger an ihn denken, denn wo unser Schatz ist, da ist unser Herz (2). Denken Sie oft und viel darüber nach!

Ihnen ergebenst etc.
28. März 1689

(1) Die Adressatin dieses Briefes ist eine Nonne, deren Name uns unbekannt ist, und wir kennen auch nicht den Namen jener „guten Schwester“, an die die beiliegende Antwort gerichtet ist.
(2) Mt 6,21.

Übernommen aus dem Buch: Bruder Lorenz von der Auferstehung, Gesammelte Werke
Herausgegeben von: Sr. Ancilla Karl OCD und P. Antonio Sagardoy OCD
Im Verlag: CERF Paris, 1991
Übersetzt und bearbeitet von: Norbert Žuška, OCarm.