Die Enttäuschung über uns selbst und über andere nimmt zu.

Ich habe Dir noch nicht für Deinen Brief vom 22. Dezember gedankt. Ja, möge unser Herr immer mehr das Licht Deines Lebens sein, ein Licht, das stärker wird und dessen Wert wir mit den Jahren mehr schätzen, während die erträumten „Auswege“ unserer Jugend einer nach dem anderen schließen und sich die Enttäuschungen über uns selbst und über andere mehren. – Du hast vollkommen recht, wenn Du versuchst, im Institut die Liebe zu den Armen zu fördern: Das ist die christlichste, die sozialste, die erzieherischste Haltung, die Deine Schüler von Dir mitnehmen können. Sie dazu zu bringen, sich mit echtem Mitgefühl über den Bettler zu beugen, bedeutet, ihnen in einer einzigen Gewohnheit die Quintessenz aller menschlichen und katholischen Erziehung zu bieten. In dieser Hinsicht kannst Du niemals übertreiben.

(Pierre Teilhard de Chardin SJ /1881–1955/, Brief von der Front, an eine Cousine, 8. Januar 1916;
zitiert nach dem Buch Pierre Teilhard de Chardin, Die Geburt des Denkens. Briefe 1914–1919, Malvern 2021)