Gottesmutter, wie einfach das klingt – und wie voller Bedeutung!

Wenn dir dieser Vorzug nicht zuteil geworden wäre, wenn du nicht die Mutter Gottes wärest, wäre der Engel nicht auf dem Weg nach Nazareth gewesen, um dir zu huldigen, und die Christen würden dich nicht anrufen. Das würde eine ganze Reihe unglücklicher Folgen nach sich ziehen. Das Leben aus dem Glauben wäre weniger anziehend, darin auszuharren wäre nicht leicht. In unseren Herzen hätten wir weniger Mut, die Reinheit unserer Ideale würde leiden. Ein Stück Schönheit würde aus der Liturgie verschwinden, es würde in der Kunst an Meisterwerken fehlen, und in den Seelen der Zisterziensermönche würde die Hoffnung sanken. (…) Selbst wenn ich nichts weiter als diese zwei Worte hätte, könnte ich ganze Stunden beten. Mutter Gottes, wie einfach klingt das – und welch Fülle! Ich weiß, dass ich, wenn ich diese Worte wiederhole, meine Haut aufs Spiel setze, bekenne meinen ganzen Glauben. Ich bin Katholik. Ich habe all diese naiven – oder mutigen – Behauptungen des katholischen Credos, der Wahrheiten des Glaubens, angenommen, über die manche Menschen lieber nicht sprechen würden. Wenn ich Maria, die Mutter Gottes, lieben und ihr dienen will, dann reicht mir natürlich nicht der gegenwärtige zögerliche und ängstliche Zugang zum christlichen Leben.

(Pater Hieronymus /1907–1985/, Mönch des Zisterzienserklosters in Sept-Fons,
Vorbereitung zum Engel-Hail)