Wie man wirklich betet, dazu sind wir bisher noch nicht gelangt.

Das Vaterunser ist ein Gebet des Lobes und des Dankes, ein bittevolles und versöhnendes Gebet. In seinen kurzen, einfachen Sätzen ist die ganze Beziehung zwischen Mensch und Gott, zwischen uns und unserem liebenden himmlischen Vater, enthalten… Worte allein machen jedoch noch kein Gebet, selbst die Worte des Vaterunsers nicht… Die richtigen Worte und die frommsten Phrasen können genauso leicht ausgesprochen werden, wie ein Hund um sein Abendessen bettelt. Auch er hat gelernt, was er sagen soll, und sagt zur richtigen Zeit die richtigen Worte. Doch dieses mechanische Aufsagen hat mit dem Gebet ebenso wenig gemein wie das Bellen eines Hundes mit menschlicher Sprache. Gott kann hören und verstehen, genauso wie wir einen Hund hören und füttern. Eine gewisse minimale Kommunikation wurde erreicht, und keine Anstrengung lässt der Herr ohne Belohnung, doch wie man wirklich betet, dazu sind wir bisher noch nicht gelangt.

(Walter J. Ciszek SJ /1904–1984/, Erinnerungen an sowjetische Gefangenschaft, Er führt mich, 5. Kapitel)