Meine Frau Eustochia,
wie oft habe ich in der Wüste, im von der Hitze der Sonne verbrannten Land geschlafen, wo die Mönche zwischen wilden Tieren leben, an das bequeme Leben in Rom gedacht. Oft saß ich allein und fühlte die Bitterkeit der Erinnerungen. (…)
Hilflos lag ich zu Jesu Füßen. Ich tränkte sie mit meinen Tränen und wischte sie mit meinen Haaren ab. Wenn mein Körper stürmte, bestrafte ich ihn mit Wochen des Fastens. Ich erinnere mich, dass ich oft die ganze Nacht und den ganzen Tag weinte und seufzte und mir auf die Brust schlug, bis mir die göttliche Vergebung wieder Frieden brachte. Sogar in Momenten der Versuchung fürchtete ich mich, in meine kleine Zelle zu gehen, ich war über mich selbst wütend und sehr aufgeregt und zog es vor, allein in die Wüste zu gehen. Und dort machte ich mir aus dem tiefen Tal oder dem steilen Abgrund eine Gebetsstätte… Ich schäme mich nicht für diese lächerlichen Taten, vielmehr bedauere ich, dass ich jetzt nicht mehr der bin, der ich damals war…
(Hl. Hieronymus /340–420/, Brief nach Rom, im Jahr 384)