Im Himmel »wird jedem von Gott Lob zuteil, das ihm zukommt« (1), und derjenige, der auf Erden am ärmsten und am vergessendsten sein wollte aus Liebe zu Jesus, wird der Erste, der Hochgepriesene und der Reichste sein. (AS 119)
Was die Kleinen betrifft, sie werden mit größter Güte gerichtet (2). Und der Mensch kann tatsächlich klein bleiben, sogar in den gefürchtetsten Ämtern, selbst wenn er sehr lange lebt. Auch wenn ich mit 80 Jahren sterben würde, auch wenn ich in China wäre, würde ich überall so klein sterben wie heute, das weiß ich gut. Und es steht geschrieben, dass »am Ende der Herr aufstehen wird, um alle Sanftmütigen und Demütigen auf Erden zu retten« (3). Es steht nicht, dass er richtete, sondern dass er rettete. (VDŽ 140)
Gott hat mir sein unendliches Erbarmen geschenkt, und durch dieses betrachte und verehre ich die anderen göttlichen Vollkommenheiten!... Da zeigt sich mir, dass alle in der Liebe strahlen, ja, es scheint mir, dass sogar die Gerechtigkeit in Liebe gehüllt ist (und vielleicht sogar mehr als jede andere Eigenschaft)... Wie süß ist die Freude beim Gedanken daran, dass der Herr Gott gerecht ist, das bedeutet, dass er unsere Schwächen berücksichtigt, dass er die Zerbrechlichkeit unserer Natur vollkommen kennt! Wovor sollte ich also Angst haben? Wenn der unendlich gerechte Gott so gnädig allen Schuld des verschwenderischen Sohnes vergeben hat, soll er nicht auch mir, die »immer mit ihm bin«, gerecht sein? (4)... (As 171)
Seit mir die Liebe des Herzens Jesu verständlich wurde, muss ich gestehen, dass sie alle Furcht aus meinem Herzen vertrieben hat. Die Erinnerung an meine Fehler demütigt mich, sie bringt mich dazu, mich nie auf meine Kraft zu verlassen, die nur Schwäche ist. Doch noch mehr spricht mir diese Erinnerung von Erbarmen und von Liebe. Wenn wir unsere Fehler mit kindlichem Vertrauen in die verzehrende Glut der Liebe werfen, wie sollten sie da nicht unwiderruflich verbrannt werden?
Ich weiß, dass es Heilige gab, die ihr Leben in erstaunlicher Buße verbrachten, um ihre Sünden zu sühnen. Aber was wollen Sie, »im Hause des himmlischen Vaters gibt es viele Wohnungen« (5). Jesus hat das gesagt, und deshalb gehe ich den Weg, den er mir angezeigt hat. Ich versuche, mich mit nichts mehr zu beschäftigen, und was Jesus in meiner Seele tut, überlasse ich ihm... (D 247)
Er rief doch in den Tagen seines sterblichen Lebens in einem Anfall von Freude: »Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du diese Dinge den Weisen und Verständigen verborgen hast, und sie den Kleinen offenbart hast« (6). Er wollte also, dass sich sein Erbarmen an mir offenbarte. Weil ich klein und schwach war, neigte er sich zu mir und unterwies mich heimlich in den Dingen seiner Liebe. Ach, hätten die Gelehrten, die ihr Leben mit Studium verbrachten, mich befragt, sie wären ohne Zweifel erstaunt gewesen, wenn sie gesehen hätten, dass ein vierzehnjähriges Kind das Geheimnis der Vollkommenheit versteht, das sie mit ihrer ganzen Wissenschaft nicht entdecken konnten, denn um es zu besitzen, muss man arm an Geist sein!... (AS 102n)
(1) 1 Kor 4,5; (2) siehe Mdr 6,7; (3) Ps 45,10; (4) vgl. Lk 15,31; (5) Joh 14,2; (6) Mt 11,25.
(D = Briefe, AS = Autobiografische Schriften, VDŽ = Ich trete ins Leben)