Nikolaus Hermann – späterer Bruder Laurent von der Auferstehung – wurde im Jahr 1614 geboren. In jungen Jahren ließ er sich in den Dreißigjährigen Krieg rekrutieren, beteiligte sich an Plünderungen und Raubzügen und entkam dem Galgen. Aufgrund einer Verletzung kehrte er nach Hause zurück, doch körperlich und geistig erholte er sich nur langsam. Im Jahr 1640 trat er in das Karmelitenkloster in Paris ein. Dort kehrten wieder und wieder die Erinnerungen an sein militärisches Leben zurück, Angst verfolgte ihn. Zehn Jahre verbrachte er in Angst und Unruhe, ohne Erleichterung durch Gebet oder durch das Mitgefühl eines anderen Menschen zu erfahren. Erst später wurde ihm zuteil, sein Leiden als Zeichen seiner großen Liebe zu Gott zu begreifen und seinen Lebensweg zu akzeptieren.
„Die Angst, dass ich Gott nicht angehöre, wie ich es mir wünsche, meine früheren Sünden, die ich ständig vor Augen hatte, und die großen Gnaden, die mir Gott zuteilwerden ließ, waren der Grund und die Quelle all meiner Plagen. Während dieser ganzen Zeit fiel ich oft und stand sofort wieder auf. Es schien mir, als wären gegen mich Geschöpfe, Verstand und Gott selbst, und dass nur der Glaube auf meiner Seite war. Manchmal plagte mich der Gedanke, dass ich übermütig sei und dass ich zu schnell und leicht dorthin gelangen wolle, wo andere nur mit Mühe ankommen, ein anderes Mal dachte ich wieder, dass ich sicherlich verworfen sei und keine Hoffnung auf Erlösung mehr habe. Als ich bereits dachte, ich würde meine Tage in diesen Verwirrungen und Unruhen verbringen (die jedoch mein Vertrauen in Gott nicht minderten, sondern nur dazu dienten, meinen Glauben zu vergrößern), erlebte ich eine plötzliche Veränderung. Und meine Seele, bis zu diesem Zeitpunkt verwirrt, verspürte tiefen inneren Frieden, als hätte sie ihr Zentrum und ihren Ruheort gefunden.“
(Entnommen aus dem Buch Grundthemen der Karmeliter-Spiritualität;
Zitat in Anführungszeichen stammt aus der Korrespondenz von Laurent von der Auferstehung /1614–1691/)